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Die Kupferschlucht

Die Kupferschlucht oder in Landessprache ‚Barranca del Cobre‘. Ich habe noch nie was davon gehört. Vom Grand Canyon hat sicher schon jeder einmal einen Brocken aufgeschnappt. Das kann so nicht bleiben…

Erstmal die Fakten:  Die Kupferschlucht ist ein Schluchtensystem auf ca. 25.000 km² Fläche, mit bis zu 1.800 m tiefen und 50 km langen Schluchten. Es ist insgesamt viermal so groß wie der Grand Canyon und mittendurch schlängelt sich eine aufwändig gebaute, altehrwürdige Eisenbahnlinie.

Die Idee stammt aus dem Reiseführer und das dort geschriebene klingt für uns sehr verlockend. Daher beginnt unser erstes Abenteuer in Mexiko mit einer kleinen Eisenbahnfahrt von ca. 650 Kilometern Länge.
Der Bahnhof in Chihuahua, um 5:00 Uhr früh, beginnt sich langsam zu füllen und noch wissen wir nicht so recht was uns erwartet. Die Zugtickets sind nicht ganz billig und um die Zugfahrt voll zu genießen, haben wir beschlossen, in einer kleinen Stadt (namens Creel) auf dem Weg zu stoppen. Tags darauf wollen wir das zweite Teilstück fahren. Der Tagestrip ist auch in einer 15 Std. Zugfahrt zu meistern, bei uns wurden aber wieder gleich ein paar Tage daraus. Wer will auch schon 15 Stunden am Stück im Zug sitzen?! Chihuahua liegt schon auf ca. 1.500 Meter ü. M. unser Zwischenstopp jedoch, liegt bei etwa 2.300 Meter.

Es geht los… Unser Zugabteil wird vom Schaffner aufgerufen, wir verstauen unsere Rucksäcke und nehmen die reservierten Plätze ein. Es sind halbe Sessel. Sehr bequem für die lange Fahrt. Langsam schleichen wir aus der Stadt und durch die großen Fenster sehen wir gemächlich die Sonne aufgehen. Zwischendurch geht ein Polizist mit Maschinengewehr, dunkler Sonnenbrille und einer Cola durchs Abteil (sollte nicht das letzte Mal sein, derart bewaffnetes Begleitpersonal zu haben). Der Zug nimmt jetzt auch etwas an Fahrt auf. Nicht übermäßig. Das gleichmäßige Tackern der Schienen unter uns lässt uns fast etwas eindösen. Doch dann nähern sich die ersten Berge, ein kleines Örtchen, eine Eisenbahnbrücke. Wir fahren vorbei an großen Apfelplantagen, hinein in die Kupferschlucht.
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Die Sonne strahlt. Wieder einmal! Die Flussbetten sind groß, aber fast aufgetrocknet. Große Hängebrücken führen neben der Stecke über trockenen Flussbetten. Es ist hier gerade Trockenzeit. Trotzdem sind diese Gebirge von grünen Pinienwäldern bedeckt. Ein neuer Anblick für uns… nach Patagonien, mit seinen kargen Landschaften. Zwischen den Zugabteilen kann man in freier Luft das Panorama genießen und ein paar Sonnenstrahlen aufschnappen. Eben dort verbringen wir auch die meiste Zeit der Fahrt. Wir genießen die Landschaft. Hinter jeder Kurve gibt es etwas Neues zu entdecken. Eine wunderschöne Zugfahrt.
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Der Zug stoppt in Creel bei strahlend blauem Himmel, bei 25°, auf 2.300 Meter. Wir suchen unsere Unterkunft auf und beginnen einen kleinen Stadtrundgang. 1,2,3 fertig… Creel ist wirklich nur ein kleines Nest, als uns ein alter Mann mit Cowboyhut anspricht und uns eine kleine Tour anbietet. Genau das suchen wir und schon geht’s los. Er fährt noch kurz bei scheinbar seinem Haus vorbei und murmelt seiner Frau ein paar Worte zu (musste wahrscheinlich Bescheid geben, dass er arbeitet und nicht in der Kneipe abhängt). Er lacht uns schelmisch zu.
Es ist drückend heiß, was sicher auch an der Höhe liegt. Man denkt an einen staubigen Western. Mit seinem 15 Jahre alten Pickup fährt er uns zu den Highlights der Umgebung.
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Unter anderem statten wir den „Rarámuri“ einen Besuch ab. Die Rarámuri leben in der Kupferschlucht und sind die größte Gruppe von mexikanischen Ureinwohnern. Es gibt wirklich heutzutage noch immer ein paar Menschen, die in einer Höhle leben! Die meisten der Ureinwohner sind, wie so oft in der Geschichte, zu ihrem ‚Schutz‘ in ein Reservat gekommen. Sie leben in kleinen Dörfern oder auf isolierten Bauernhöfen. Auch in dieses Gebiet werden wir gefahren, erleben ansatzweise die Lebensweise und auch teilweise die Armut dieser Menschen. Viele der Teenager werden oft schon mit 14 Jahren von der Schule genommen und verheiratet und so haben 20 jährigen Rarámuri-Frauen auch meist schon 2-3 Kinder, die Kindersterblichkeit ist hoch. Die Rarámuri haben eine eigene Schule im Reservatsgebiet. Ob dies der Wunsch der Rarámuri war, oder von der Regierung so bestimmt wurde, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Die nächste öffentliche Schule liegt nähmlich nur ein paar Kilometer weiter entfernt. Den Großteil der wirklichen Situation der Ureinwohner können wir so leider nur erahnen.
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Nach der Tour packt uns der Hunger. Wir suchen den nächstbesten kleinen Tante-Emma-Laden auf und verkriechen uns im Bett. Es ist inzwischen bitterkalt. Nach 25° am Tag frieren wir bei knapp über 0° unter einer dünnen Wolldecke. Zum Glück hatten wir noch den einen oder anderen Pullover aus Patagonien dabei.

DSCN2828 DSCN2822Am nächsten Morgen geht’s weiter mit dem Zug. Wir haben inzwischen unsere Pläne geändert und beschlossen die Kupferschlicht richtig zu erkunden. Also noch ein Zwischenstopp und dann runter ins Tal, in eine der eigentlichen Schluchten hinein. Ein wenig führt die Bahnstrecke noch in die Höhe. Vorbei an den hoch gelegenen Bergen, auf kleinen Brücken über die Schluchten und durch einige Tunnel hindurch, bis wir Divisadero erreichen. Hier stoppt der Zug sogar kurz um auf 2.420 Meter um die Reisenden den einmaligen Panoramablick über die Kupferschlucht genießen zu lassen. Der Ausblick ist spektakulär.
15 Minuten Panorama und schon geht’s weiter zum Stopp nach Bahuichivo.
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By Daniel on März 24, 2013

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