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Chihuahua – Kulturschock??

Nach 30 Stunden Flug, 3 Zwischenlandungen, fast 10.000 zurückgelegten Kilometern und ein paar seltsamen Einreiseregeln sind mir angekommen – in Mexiko 🙂

Ja, die Strecke von Patagonien bis Mexiko ist fast genausoweit wie von Deutschland nach Südamerika. Unsere Erde ist groß, mussten wir ein weiteres Mal feststellen.

Unser erstes Ziel im neuen Land: „Chihuahua“. Dieses Wort können wir bis zum Flughafen nicht wirklich aussprechen. Nach einer längeren Diskussion am Flughafen, weil wir keinen Ausreise- Flug haben, meint die nette Dame aber .. Chihuahua – wie der Hund. Ist doch ganz einfach 🙂 Tatsächlich muss man anscheinend ein Weiterflugticket nachweisen, wenn man in Mexiko einreisen will. Leider haben wir das nicht. Leider haben wir auch kein Busticket, welches uns ins nächste Land führt und wissen auch kein Ausreisedatum .. wir wissen auch nicht wo wir nächste Woche sein werden, wir wissen ja noch nicht einmal wo wir in dieser Nacht schlafen. Wir sind Weltenbummler ohne Plan. Hmm .. Ratlosigkeit auf der anderen Seite des  Schalters. Sie telefoniert, tippt wild auf ihrer Tastatur herum, fragt die Kollegin nebenan .. Von all dem verstehen wir natürlich kein Wort. Schließlich wendet sich wieder an uns mit der Frage „aber ihr wollt wieder ausreisen?!?“ nachdem wir gleichzeitig mit „JA“ antworten, bekommen wir den entscheidenden Stempel in unseren Pass. Ein schöner Stempel in den Nationalfarben grün und rot. Wir sind drin.

Wir schlendern durch die Straßen und natürlich ist es hier anders als in Patagonien. Hier gibt es Menschen, Straßen, Autos, Geschäfte .. UND Sonne. Chihuahua gibt sich mit 30 Grad alle Mühe uns willkommen zu heißen. Am ersten Tag – nachdem ich schon am Flughafen das Gefühl hatte, nach Hause zu fliegen – überfordert mich das ganze fast etwas, muss ich zugeben. Nein, es geht nicht nach Hause. Es geht auf in ein neues Abenteuer. Das Abenteuer Mexiko.

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Über Mexikos Sicherheitslage liest und hört man viel. Deshalb ist das auch bei uns kurz Thema – Chihuahua hat schließlich stolze 750.000 Einwohner und ist damit nicht ganz klein. Wir beschließen uns ein Doppelzimmer in einem Hotel zu suchen. Ein Zimmer nur für uns, wo man seine Sachen ohne Bedenken lassen kann. Wo man ohne Bedenken schlafen kann ohne dass die Rucksäcke abhandenkommen oder man sogar selbst nachts rausgetragen wird. Erstmal ein bisschen erkunden und einleben. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass das mit den Doppelzimmern in Mexiko so bleiben wird. Hier gibt es kaum Hostels – dafür aber preisgünstige kleine Hotels. Den ersten Abend verbringen wir im Hotelrestaurant – die ersten Tacos (Maisfladen) mit Pollo (Hühnchen) sind köstlich 🙂

Am nächsten Tag folgt ein kleiner Kulturschock. Mexiko .. Großstadt und hier schaut es aus wie im wilden Westen. Überall sieht man Männer mit Hüten und Cowboystiefeln .. Meinen die das ernst, ich meine wir sind mitten in der Stadt?! Anscheinend ja. Chihuahua scheint ohnehin die Stadt der Stiefel und Schuhe zu sein. Es gibt kleine Läden, in denen man Cowboystiefel in jeder Form und Größe kaufen kann. Auch für Mädels und total süß auch für Kinder. Dementsprechend duftet es in – und sogar vor – den Läden nach Leder. Wir entdecken auch echte Westernsättel aus Leder. Passend dazu gibt es Jeans und Hemden im Cowboystyle. Alles erinnert an den wilden Westen oder auch an Texas.

Neben den kleinen Läden gibt’s natürlich auch riesige Geschäfte mit Klamotten, aber vor allem mit Schuhen. Wahnsinnige Schuhparadiese, in denen man die Reisekasse leeren kann. Deshalb werde ich auch schnell vorbeigezerrt – aber in meinem Rucksack wäre ohnehin (leider) kein Platz für ein weiteres Paar Schuhe und schon garnicht für Cowboystiefel.

Bei all dem Leder und dem Staub auf den Straßen dürfen sie natürlich nicht fehlen – die Schuhputzer. Die Plätze der Stadt sind nahezu bevölkert mit Schuhputzern – eine praktische Sache, wie wir finden. Leider hilft uns das mit Flipflops nicht wirklich weiter. Aber unsere Füße sind dankbar endlich aus den Trekkingschuhen an die Sonne zu dürfen.

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Es gibt auch riesige bunte Märkte, auf denen man alles für den täglichen Gebrauch kaufen kann. Von der Schweinehälfte, über Körbe, Schüsseln, Handys, Batterien, noch mehr Schuhe und noch mehr Klamotten bis hin Ponchos aus dicker Wolle, Mützen, Hüte.

Eine weitere Entdeckung sind die „Dulcerias“. Das sind Geschäfte mit allem möglichen Süßkram. Hier gibt es wirklich alles, was man sich vorstellen kann. Für Kinder ein absolutes Paradies. An den Decken hängen überall diese riesigen Figuren, die bei den Kindergeburtstagen mit Stöcken geschlagen werden, bis Bonbons rausfallen. Diesen Brauch kennt man eher aus den USA. Aber auch in Mexiko scheint man auf Barbies, Patmans, Hello Kittys, Micky Mäuse, Meerjungfrauen  .. einzuschlagen 🙂

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Noch etwas fällt uns auf: In den kleinen Supermärkten gibt es keinen Alkohol. Aber irgendwo muss man doch an ein Bierchen kommen?! So leicht geben wir nicht auf .. Und tatsächlich: Es gibt vergitterte  Läden. Der Verkäufer steht ca. 1,50 Meter unter uns hinter Gittern. Auf Verlangen reicht er uns 2 Dosen kaltes Corona nach oben – nachdem wir einen Geldschein nach unten gereicht haben. Wohl auch eine Sicherheitsmaßnahme.

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Chihuahua hat eine wunderschöne Innenstadt mit 2 sauberen Plätzen und einigen schönen Gebäuden und Kirchen. Am zweiten Tag verlieben wir uns etwas in das neue Unbekannte und verlängern unseren Aufenthalt um 2 Tage.

Über alles scheint die majestätische Kathedrale zu wachen. Sie steht am Eingang des ersten Platzes – ca. 200 m von unserem Hotel entfernt. Über den zweiten Platz wacht ein Engel hoch oben auf einer Säule. Dieser steht für die Freiheit des mexikanischen Volkes. Zu besonderen Anlässen schießt ein Laserstrahl aus dessen Schwert. Man kann hier wunderbar spazieren gehen oder einfach nur rumsitzen und Leute beobachten. Und so verbringen wir die 3 Tage auch. Mit etwas Stadtgeschichte im Palacio de Gobierno (Regierungssitz des Bundesstaates Chihuahua). Hier wurde der Revolutionär Miguel Hidalgo hingerichtet. Chihuahua war Schauplatz einiger geschichtlich wichtiger Ereignisse. Mit ein paar schönen Gebäuden mit noch schöneren Wandmalereien, gutem mexikanischem Essen und viel Ruhe.

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Und wir fassen Vertrauen. Vertrauen in die Großstädte Mexikos, in die Mexikaner, die uns so freundlich empfangen.

By Janine on März 23, 2013

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