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Mountainbike und Schutzheilige

El Calafate und einen Tag „übrig“. Was also anstellen?

Da wir schon mehrfach am Fahrradvermieter vorbeigeschlendert sind, denken wir uns „warum nicht?“ In der Nähe gibt es Höhlen mit Wandmalereinen zu erkunden und man kann evtl. bei viel Glück Andenkondore an einem nehen Berg beobachten.

Also drauf aufs Fahrrad und ab in Richtung Höhlen. Angeblich 7 km vom Ort entfernt – mit dem Fahrrad ein Kinderspiel. Wir fahren durch Niemandsland. Hier gibt es nur alle 30 km mal ein Schild .. nach einer Stunde sind wir uns nicht mehr ganz sicher .. sind die 7 km schon vorbei? Haben wir den Abzweig verpasst? Es geht in Richtung Flughafen, der 20 km entfernt ist. Auf halber Strecke soll es einen Abzweig zu den Höhlen geben. Wir wundern uns, fahren weiter. Was sollen wir auch tun? Kein Schild, kein Mensch ..

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Als wir kurz vor dem Flughafen stehen, entscheiden wir uns umzukehren 🙂

Auf dem Rückweg finden wir dann auch den Feldweg in Richtung Höhlen .. mal eben 15 km umsonst in die falsche Richtung geradelt .. was solls .. jetzt nur noch den Feldweg ca. 5 km hinter uns bringen und da müssten diese mysteriösen Höhlen doch irgendwo sein?!

Die Höhlen sind nicht besonders groß, aber interessant. Die Tehuelche – eine Gruppe von Ureinwohnern Feuerlands – haben hier Wandmalereien hinterlassen. An den Höhlen und an den Steinhäufen. Drum herum sieht man sehr eindrucksvoll, dass hier überall Meer war. Die Felsen sind Stück für Stück vom Wasser geformt. Alles sieht aus wie Schweizer Käse mit Querstreifen.

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Auf dem Rückweg halten wir am Straßenrad bei ein paar roten Waschmaschinen, die uns schon auf dem Hinweg aufgefallen sind. Wieder eine Begegnung mit Argentiniens Schutzheiligen. Uns sind bisher 4 davon begegnet – es scheint aber noch mehr zu geben. Das wollen wir euch nicht vorenthalten, da die Straßenränder hier teilweise regelrecht überflutet sind mit Schreinen für die Schutzheiligen:

1. Difunta Correa

Die Legende dazu: Als sich Maria Antonia Deolinda y Correa 1841 mit ihrem Säugling in die Wüste begab, herrschte in Argentinien Bürgerkrieg. Kurz nach ihrer Entbindung war ihr Mann von spanischen Soldaten verschleppt worden. In ihrer Verzweiflung wollte sie dem Verschleppten durch die Wüste folgen und zog los. Tage später fand eine Gruppe von Maultiertreibern die Correa tot in der Wüste. Das Kind, an der Brust der Mutter hatte wie durch ein Wunder überlebt. Dank der Muttermilch war es nicht verdurstet.

Die Difunta Correa wird seither als Schutzheilige der Reisenden verehrt. Überall am Straßenrand sieht man kleine Schreine mit gefüllten Wasserflaschen, anderen Wegzehrungen und allem möglichen, was man sich vorstellen kann. Manchmal bestehen die Gedenkstätten auch einfach nur aus hunderten von Plastikflaschen.

Puerto Natales

2. Gauchito Gil

Die Legenden dazu: Er war ein Landarbeiter, der wegen eines echten oder angeblichen Verhältnisses mit einer reichen Witwe in große Schwierigkeiten geriet. Um den Schwierigkeiten zu entgehen schloss sich Gauchito Gil der Armee an und kämpfte im Krieg gegen die Streitkräfte Paraguays. Im späteren argentinischen Bürgerkrieg desertierte er, um nicht eigene Landsleute umbringen zu müssen, und versteckte sich im Wald. Nach manchen Legenden war er in dieser Zeit so etwas wie der argentinische Robin Hood – bestahl die Reichen und gab es den Armen. Als er schließlich doch gefangen wurde, hängte man ihn Kopf über an einen Mesquitenbaum und folterte ihn. Als der Henker ihn töten wollte, sagte Gauchito Gil, dass sein kranker Sohn gesund würde, wenn er zu ihm betete, andernfalls würde er sterben. Der Henker vollzog dennoch das Urteil und schnitt Gauchito Gil die Kehle durch. Als der Henker nach Hause kam, war sein Sohn sehr krank, er betete zu Gauchito Gil und sein Sohn wurde gesund. Der Henker baute dem Heiligen ein kleines Heiligtum (heute die Hauptpilgerstätte) und erzählte allen Leuten vom wundersamen Gauchito Gil.

Heute wird Gauchito Gil in ganz Argentinien verehrt. Kleine Schreine mit roten Fahnen befinden sich an sehr vielen Orten in Argentinien am Rand von Landstraßen. Da Gauchito Gil als eine Art Patron von Auto-, Bus- und Lastwagenfahrern gilt, ist es üblich, zu hupen, wenn man an einem Schrein vorbeifährt, um Gauchito Gil damit zu grüßen. Im Gegenzug hofft man auf eine unbeschwerliche und unfallfreie Reise.

Als Schutz vor Witterung (glauben wir zumindest) gibt es um die Gaben für Gauchito Gil Schreine oder kleine Schaukästen, oder wenn nichts anderes zur Hand eben auch rot gestrichene Waschmaschinen 🙂

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3. San Expedito

Die Legende dazu: Angeblich war er ein römischer Feldherr, der zum Christentum konvertierte und die Konversion auch dann nicht aufschieben wollte, als ihm der Teufel in Form einer Krähe erschien und ihn aufforderte, damit doch bis morgen zu warten. Er zertrat die Krähe und deklamierte, seine Konversion könne nicht warten.

Seither ist er angeblich der Schutzpatron der eiligen Dinge. Man kann ihn um alles bitten, was keine Zeit hat. Auch für ihn gibt es kleine Schreine am Straßenrand, aber auch riesige Plakate mit Bitten und Gebeten.

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4. San la Muerte – der heilige Tot

Diese Figur wird als schwarzes Skelett meist mit Sense dargestellt.

Man bittet ihn nicht einfach um Hilfe, sondern droht ihm regelrecht. Bei den vorgetragenen Forderungen ist das eigene Glück zudem häufig mit dem Schaden anderer verbunden, etwa, wenn der beziehungsweise die Heilige um den Tod eines Widersachers oder um Beistand bei Prügeleien angesucht wird. Und ihre Anhänger bringen den mythologischen Gestalten nicht nur vor Bildern Speise-, Trank-, und Rauchopfer dar, sondern auch vor dreidimensionalen Figuren, die angeblich auch aus abgefeuerten Patronen und aus den Knochen Verstorbener gefertigt werden, was ihnen besondere magische Qualitäten verleihen soll.

Und in der Tat findet man in den Schreinen oft Wein, Bier und Zigarren. Diesem etwas sonderbaren Schutzpatron scheint es zumindest an nichts zu fehlen. In Buenos Aires (Argentiniens Hauptstadt) wurde ein Mann festgenommen weil er San la Muerte versprach einen Menschen zu töten – im Gegenzug soll es ihm wirtschaftlich gut gehen. Alles in allem eine etwas zweifelhafte Figur, die mit der katholischen Kirche wohl kaum vereinbar ist.

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Nachdem wir wieder in El Calafate ankommen sind und nahezu 50 km hinter uns haben, verschieben wir das Andenkondor- Projekt auf andermal und fallen mit einem kalten Bier ins Hostelbett.

Am nächsten Morgen geht’s dann mit dem Flugzeug in Richtung Mexiko. Naja, wo der Flughafen ist, wissen wir ja schon 🙂

 

Patagonien: Stempel im Reisepass
Chile 25.02.-01.03.2013
Argentinien 01.03.-06.03.2013
Chile 06.03.-17.03.2013
Argentinien 17.03.-20.03.2013

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By Janine on März 19, 2013

Comments:2

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  1. Antworten Jörg Kaiser 10.04.13

    Hallo ihr Zwei!
    Wollte nur Bescheid sagen, wir grillen am Sonntag bei den Büttners! Wenn ihr Zeit habt könnt ihr ja kommen! Es gibt bestimmt wieder Marshmallows! Ne, war nur ein Scherz! Gute Weiterreise und noch viel Spaß bei eurem Abenteuer wünschen die Kaiser!

  2. Antworten Janine 16.04.13

    Hallo 😀
    Da müsst ihr schon etwas eher Bescheid geben .. wir wären gerne gekommen 😉
    Aber keine Angst wir haben hier auch „Asado“ = Grillzeugs in allen möglichen Varianten UND sogar Marshmallows – nur leider ohne Kekse und Schokolade.
    Einen lieben Gruß in die Bayreuther Straße
    Daniel & Janine

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