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Perito Moreno

Nach einer fast 6-stündigen Busfahrt aus Chile sind wir in El Calafate, Argentinien angekommen. Das Wetter stimmt und die erste Nacht in El Calafate ist erholsam um uns frisch und ausgeschlafen auf den Weg zum berühmten Gletscher Perito Moreno zu machen.

El Calafate ist zwar ein recht schönes und herausgeputzes Städtchen, aber für die meisten doch eigentlich nur Ausgangspunkt zum Nationalpark Los Glaciares (immerhin UNESCO-Weltnaturerbe) und dem darin befindlichen Perito-Moreno-Gletscher.

DSCN1935Also erstmal wieder rein in den Bus und los geht’s in Richtung Gletscher. Bereits von weitem sehen wir die     schneebedeckten Gipfel des ‚Campo de Hielo Sur‘, des größten Gletschergebietes der südamerikanischen Anden und nur wenige Minuten später sehen wir einen etwas trüben, riesigen See (die Türbung der Gleschtscherseeen ist nicht auf die eisige Wassertemperatur sondern aus den mineralhaltigen Abrieb des Gletschers am Berg begründet!). Die ersten kleineren Eisbergchen Begrüßen uns bereits.
Nach einer Rechtskurve richten sich alle Augen im Bus in die gleiche Richtung. Der Gletscher ist jetzt zu sehen. Rießig, von der Vormittagssonne perfekt in Szene gesetzt. Kurz darauf sind wir da…

Der Gletscher ist gigantisch! Fast 30 Kilometer lang und ein Eisfeld von über 250 km². Wieder einmal haben wir das beste Wetter erwischt und der Gletscher ist bis hin zu seinem Geburtsberg ‚Cerro Pietrobelli‘ zu sehen. Kilometerlang reckt er sich weiß mit leutendem blau von den Bergen hinab zu uns. Die oberfläche scheint stachelig, scharfkantig, zerklüftet. Über ein paar kurze Weg kann man sich zwischen unterschiedlichen Aussichtsplattformen mit Sicht auf die West- bzw. Ostflanke des Gletschers wählen. Er ist einer der wenigen „stabilen“ Gletscher, d.h. er schrumpft nicht in seiner Größe. Seine Abbrüche werden durch Nachschub am 29 km entfernten Glescheranfang kompensiert.
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Wir setzen uns und beobachten Petito Moreno. Ab und an ein lautes knacksen, dann mal ein lautes Knallen. Der Gletscher lebt! Er arbeitet Tag und Nacht. Auch Die Sonne tut ihren Beitrag zu diesem Schauspiel. Alle warten gespannt auf weitere Lebenszeichen. Selbst kleinere abbrechende Stücke (also 5x5x5 Meter) machen einen tosenden Lärm, wenn sie ins Wasser einschlagen. Man sieht das Stück auf das Wasser aufschlagen, erst danach kommt das Geräusch dazu angeflogen. Gespannt warten wir auf jeden neuen Abbruch.

Es ist soweit. Ein weiteres kleines Stück rutscht ziemlich weit unten ins Wasser und lässt das darüberliegende Eisgebilde ziemlich instabil wirken. Es knirscht, es knackt. Ein rießiges Stück über die ganz Höhe der Abbruchkante (die Gletscherfront über Wasser ist immerhin bis zu 75 Meter hoch) kippt etwas nach vorne und bricht ab! Ein langes dumpfes wummern, das Wasser spritzt bis zur oberen Gletscherkante und der Eisberg zerspringt mit lautem Knall in 10.000 Teile. Das Wasser hebt sich um die Abbruchstelle wie man es nur im kleinen kennt, wenn man einen Stein ins kühle Nass wirft. Mehrere Wellenberge. So entsteht also ein Tsunami… am Ufer sehen wir das Wasser ein ganzen Stück in den See zurückweichen, bevor es wieder mit den Wellen zurückkommt und das Ufer überspühlt.
Es herrscht wieder Stille. Alle „Zuschauer“ staunen und scheinen fasziniert. Auch wir nehmen diesen Moment für uns ganz intensiv auf und speichern ihn in uns ab! Die Gewalt der Natur ist hier ganz nah!
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Die vom Abbruch freigelegte Stelle leuchtet jetzt in einem tiefen strahlenden Blau. Die benachbarte, ebenfalls hochhaushohe Stelle sieht jetzt auch schon etwas wacklig aus. Es ist nur einer Frage der Zeit! Aber sind es Minuten, ein paar Stunden oder erst Morgen? Nach einer weiter halben Stunde und dem einen oder anderen Knacksen und Knacken tut uns der Gletscher den Gefallen.
Auch dieser Koloss donnert ins Wasser. Ebenso hoch wie der erste Abbruch, aber mindestens doppelt so breit. Wieder langes, lautes Krachen, Eintauchen, Wellen, dann wieder Stille.
Ein beeindruckendes Schauspiel der Natur.
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Als weiteres Highlight haben wir noch eine Wanderung auf dem Gletscher vor uns. In sicherem Abstand, geht die Bootsfahrt an der Gletscherkante entlang und wir setzen an das andere Ufer des Sees über. Wir nähern uns jetzt Perito Moreno zu Fuß. Keine 50 Meter zur Gletscherwand. Eine beeindruckende und majestätische Ansicht. Weiter geht’s und ein kurzen Aufstieg später verpasst man uns erstmal Steigeisen unter die Schuhe. Wir betreten den Gletscher vorsichtig. Er ist nichts für Highheels oder Flip-Flops. Er ist eben aus purem Jahrhunderte altem Eis.
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Knapp eine Stunde steigt unsere Gruppe auf dem Gletscher auf und ab. Immer im Gänsemarsch und immer mit kundigem Führer. Wir erfahren viel über die Entstehung, dass Leben und die Fortbewegung des Gletschers und haben ihn hautnah. Wir blicken in glasklare, wassergefüllte Löcher, kleine tiefblaue Spalten und bestaunen die spitzen Eisformationen. Der Blaue Himmel mit seinen kleinen Wolken vervollständigt diese Postkartenlandschaft. Und natürlich verpasst man uns noch den obligatorischen Whiskey mit Gletschereis, wo wir natürlich nicht nein sagen können.
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By Daniel on März 18, 2013

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