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Eschrichtius robustus und Pelecanus

Ein ganz besonderes Erlebnis auf der  Baja California habe ich euch noch vorenthalten. Es war so faszinierend und beeindruckend, dass es einen eigenen Blogeintrag verdient hat ..

Wer den Titel erfolgreich übersetzt hat, weiß bereits, dass es sich um die lateinischen Bezeichnungen für Grauwale und Pelikane handelt ..

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Ja, auf der Baja California kann man Wale beobachten. Ja, die richtig großen. Ein Traum wird soll sich also erfüllen. Der Traum diesen riesigen, seltenen Tieren ganz nahe zu sein. Keiner weiß, wie lange sie noch auf dieser Erde leben dürfen.

Mit einem einheimischen Fischer und einem Boot geht es hinaus auf den Pazifik. Ca. eine Stunde fahren wir bei voller Fahrt Richtung offenes Meer. Dennoch befinden wir uns geschützt in einer Bucht von der Isla Santa Margarita umgeben. Ein ideales Gebiet für Grauwale.

Die Grauwale kommen jedes Jahr zur gleichen Zeit aus den Gewässern vor Sibirien und Alaska in die Gewässer rund um die Baja Califonia um sich zu Paaren und ihre Jungen zu gebären. Hier in den warmen Lagunen finden sie einen idealen Ort dafür, den sie immer wieder aufsuchen. Doch der Weg hierhin ist lang. Die Wale brauchen Wochen oder sogar Monate um „Land´s End“ (die südlichste Spitze der Baja) zu umrunden und ihre Lieblingsbucht zu erreichen.

Ein wirklich beeindruckendes Naturschauspiel. Die Kinderstube der Grauwale also. Die Mütter verweilen mit ihren Kälbern ca. 2-3 Monate hier, jedes Jahr von Februar bis April. Hier werden also die 700 Kilo schweren Walbabys geboren und machen unter den Augen ihrer besorgten Mütter ihre ersten Atemzüge und Flossenschläge im offenen Meer. Sofort nach der Geburt müssen die Walmütter ihre Babys für den ersten Atemzug an die Wasseroberfläche heben.

Irgendwo in der Bucht hält das Boot und stellt den Motor ab. Wir warten gespannt, blicken und in alle Richtungen um. Wir haben 3 Stunden Zeit ..

Es ist ein ganz besonderer Ort. Eigentlich ist es egal, ob ein Wal auftaucht. Man ist ihnen ganz nah. Man weiß, dass sie unter einem sind und sich um ihren Nachwuchs kümmern. Ein ganz besonderes Gefühl ohne allzu große Erwartungen. Wir sitzen, schauen, warten, lauschen.

Dann passiert es .. eine Wasserfontäne wird in die Luft geblasen und unter der Wasseroberfläche erkennt man etwas riesiges, rundes, weißes. Ein Wal. Es ist wirklich ein Wal. Er taucht erneut auf, bläst die Luft aus seinen Atemlöchern hoch hinaus. Man kann direkt in die beide Atemöffnungen schauen. Er ist da. Ein Wal. Schwimmt direkt neben dem Boot vorbei. Zuletzt starren wir gebannt auf die riesige Schwanzflosse, dann taucht er ab in die Tiefe. Unglaublich!

Grauwale erreichen eine Länge von 13 bis 15 Metern und ein Gewicht von 25 bis 34 Tonnen. Sie werden 50 bis 60 Jahre alt. Die Grauwale erscheinen unter der Wasseroberfläche eher weiß. Besser gesagt ist ihre Haut schwarz, weiß und grau gesprenkelt. Die Wale sind über und über besiedelt mit Krebstieren, Seepocken und Walläusen. Dadurch ist die wirkliche Farbe kaum erkennbar. Die Wale haben zwei Atemlöcher, durch die sie sie Luft in bis zu vier Meter hohen Fontänen ausblasen können.

Gebannt warten wir, was passiert. Und werden bromt belohnt. Er taucht wieder auf. Scheint mit dem Boot zu spielen. Eine ganze Zeit lang schwimmt er um uns herum, kommt sogar so nah, dass der Fischer die Schwanzflosse streicheln kann. Irgendwie traut sich keiner von uns den Wal anzufassen. Zu faszinierend ist allein der Anblick.

Eine Pause gibt es für uns und für die Wale auf der Isla Margarita. Hier serviert man uns Kaffee und Rührei – per Handy vom Fischer vom offenen Meer aus bestellt 🙂

Hier tummeln sich jede Menge Pelikane. Am Strand, auf den Fischerbooten, auf den Seilen der Boote und auf allem, was herumschwimmt. Blos nicht selbst schwimmen, scheint die Devise zu lauten. Die Pelikane sind nicht scheu. Die schauen gespannt, was wir treiben. Manchmal rutscht einer dieser ungelenken Vögel vom Boot ab und fällt ins Wasser. Nun gut, bei der Körpergröße kein Wunder. Diese Vögel sind echt groß. Nur die Andenkondore können noch größer werden. In den Schnäbeln der Pelikan finden bis zu 11 Litern Wasser Platz – da kann man schon mal runterfallen ..

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Nach der Stärkung geht es wieder hinaus zu den Walen.

Tatsächlich lassen sich noch ein paar Wale an der Wasseroberfläche blicken. Einer stößt sogar mit dem Maul voran senkrecht nach oben aus dem Wasser gen Himmel. Sie sind ganz nahe am Boot, sogar darunter. Nicht auszudenken, was diese Tiere mit dem kleinen Fischerboot machen könnten. Aber sie sind friedlich. Gemächlich schwimmen sie immer wieder am Boot vorbei. Die Stimmung in diesem Moment lässt sich nur sehr schwer in Worte fassen – ist war unbeschreiblich!

Neben einem Wal schwimmt noch etwas kleineres weißen her .. ein Baby?? Wir wissen es nicht genau aber denkbar ist es.

Wir verlassen diese beeindruckenden Tiere in ihrem Lebensraum und träumen noch eine Zeit lang von dieser Begegnung der anderen Art. Es war etwas besonderes, ein “Eins mit der Welt” –  Gefühl voller Ruhe und Zufriedenheit und der Wunsch, diesen Moment für ewig festhalten zu können, ein Stolz,  solche Ozeanriesen beobachten zu können und auch ein wenig Demut.

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Die Rückfahrt ist ziemlich wellig und manchmal glaube ich, dass ich mich auf der rutschigen Matte im Boot nicht mehr festklammern kann .. aber bei all den Festhaltproblemen hat die Übelkeit wenigstens keine Chance 😀

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Das Reisen ist die Rückkehr der Pubertät. Wohl weil der Kopf ähnlich überfordert ist .. ich bin mir sicher, dieser Tag allein braucht einen Monat Schlaf um verarbeitet zu werden.

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By Janine on März 31, 2013

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