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Reisebericht Porvenir

Der Plan: Mit der Fähre nach Porvenir, eine günstige Unterkunft suchen,  in der Autovermietung einen Mietwagen ausleihen und dann am nächsten Tag weiter, wieder gen Süden. Weg aus diesem verlassenen Nest, 3 Tage und 2 Nächte, ab in die Weiten Feuerlands.
An den Lago Blanco und weiter zum Lago Fagnano, zur Estancia Lago Fagnano, wo man nächtigen kann und bei Besuch auch mal ein Schaf geschlachtet wird.
Aber, es kommt wieder mal anders.

Der Reiseführer schreibt u.a. über Porvenir „Doch die Zukunft der Schaffarmen und Goldräusche gehörte rasch zur Vergangenheit. Dann wurde der Panamakanal gebaut, der die Magellanstraße obsolet machte…“, „…6000 Einwohner…“ und „Halb pionierhaft, halb altmodisch – Porvenir ist reizvoll schlicht.“ Dies sollten wir alles bald lernen.

Nach einer ruhigen und sonnigen Fährfahrt ab Punta Arenas erreichen wir Povenir. Der Hafen ist, wie so oft, etwas außerhalb der eigentlichen Stadt. Per Taxi geht’s ab in die Unterkunft. Der Taxifahrer fragt, in der eigentlichen Straße, einen jungen Chilene wo unsere Hostel sein soll. Dieser antwortet: „Das ist hier, bei mir.“ (geschätzt).  War im Reiseführer gut bewertet und günstig. Mit unseren immer noch geringen Spanischkenntissen macht uns der junge Chilene, freundlich und hilfsbereit klar, das er bereits ausgebucht ist.
Wir fragen uns noch warum? Was soll man den hier in einem Hostel wollen, außer eine Übernachtung zur Durchreise? Egal, er erklärt uns wo wir ein anderes Hostel finden und zeigt auf zwei weitere Häuser in Sichtweite. Das erste ist ein Hotel, also normal etwas teuerer, aber mit freien Zimmern. Wir ziehen dennoch weiter in’s nächste Hostel. Ein alter Bau, abblätternde grüne Farbe an der Fasade. Wir lassen uns das 3-Bett-Zimmer zeigen; eigentlich ganz in Ordnung, uns aber irgendwie zu teuer. Wir vertrösten die Hostelmutter auf später und ziehen weiter (warum sagen wir Ihr nicht einfach, dass es uns zu teuer ist? Ist das so eine typisch deutsche Angewohnheit?). Die folgenden Hostels sind ebenfalls entweder ausgebucht und oder auch nicht billiger als das Hotel. Also landen wir schließlich doch im Hotel. Ist ja nur für eine Nacht!

Die Dame an der Rezeption fragen wir jetzt nach dem Weg zur Autovermietung, mal sehen was das Auto kosten wird. Was heißt nochmal Autovermietung auf Spanisch?  Mit Händen, Füßen und dem „Luftlenkrad“ können wir uns verständigen. Hier spricht inzwischen niemand mehr Englisch! Sie antwortet „No …“. Das No verstehen wir, bleiben aber hartnäckig. Sie fragt dann mal bei Ihrem Kollegen nochmals nach und tatsächlich. Es scheint eine Autovermietung zu geben (…warum auch nicht, wir hatten uns schließlich bei jemanden auf dem Kreuzfahrtschiff und in der Touristeninfo in Punta Arenas vorab befragt).
Wir werden zum Supermarkt geschickt. Ein Mietauto im Supermarkt? Komisch… , aber die Post macht das ja in Deutschland auch so… .

Der Supermarkt entpuppt sich als Tante-Emma Laden, in welchen es aber alles nötige vom Klopapier über diverse Lebensmittel bis hin zu Ersatzbatterien, zu geben scheint. Wieder kein Englisch 😉 Langsam gewöhnen wir uns an das Wörterbuch und fragen immer die gleiche Wörter zu sagen. Autovermietung, Auto, Rent-A-Auto. Man versteht uns, antwortet aber ebenfalls in unsere Richtung mit Gesten, dass das (oder die?) Auto(/s) im Augenblick alle vermietet sind. Wir fragen ob es noch eine Autovermietung gibt und erhalten wieder ein „No“, werden trotzdem an den nächsten Supermarkt 500 Meter weitergeleitet und verlassen den kleinen Laden.
Der nächste Supermarkt hat ebenfalls keine Mietwagen. Aber wir sollen doch mal beim Autoersatzteilhändler zwischen den beiden Supermärken fragen.
Dort erwartet uns erneut eine über alles liebeswerte Dame, welche nach unserer leihenhaften Beschreibung des Vorhabens, den Finger hebt, das Handy zückt und den Telefonjoker zieht! Der Gesprächspartner antwortet und ihr nächstes Telefonat findet mit Supermarkt Nr. 1 statt. Da gibt’s nichts. Wir stehen immer noch da, warten und gucken scheinbar so armseelig, wir ein Hund neben dem Esstisch. Es scheint zu wirken.
Sie wälzt das Telefonbuch, telefoniert noch eine paar mal – ohne Erfolg. Sie entschuldigt sich für die erbrachte Dienstleistung (wo gibt’s den sowas??) und das Sie uns nicht helfen konnte.

Es sind unglaublich liebenswerte und freundliche Menschen hier in Porvenir!

Also dann kein Mietwagen. Mal sehen wie wir die Zeit hier blos rumkriegen. Es ist spät und hier lässt sich sogar die Sonne etwas mehr Zeit. So gegen 21:00 wird haben wir zumindest einen schönen Sonnenuntergang.

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Gut ausgeschlafen, die Sonne strahlt! Es ist herrlich hier. Die Hotelangestellte kocht uns frisches Rührei zum Frühstück, nachdem Sie uns eine weitere kleine Spanischlektion erteilt hat. Salz, Pfeffer, Löffel usw. .
Wir erkunden die Stadt, es soll hier ja nicht viel geben außer ein kleines Museum. …weit gefehlt!
Die Stadt hat einen ganz speziellen Charme… jedes Haus… jeder klappernde Zaun. Es schein als ob jedes Haus seine Geschichte erzählen will … mit seiner eigenen Farbe, mit seinem kleinen, krumen Gartenzaun, mit seinem eigenen Hund im Garten oder auch auf der Straße.
Wir schlendern, durch die Straßen und die Zeit vergeht!

An der Touristeninformation sitzt eine junge Frau. Wir fragen nochmals nach einer Autovermietung. Sie übersetzt mit dem Google-Übersetzter. Wir verstehen uns. Sie lächelt und kann uns sogar noch eine Rundfahrt mit einem lokalen Touranbieter anbieten. Dieser steht 3 Minuten später in der Türe – ein 1,70 großer Mann, Stoppelbart, schwarze Sonnenbrille (Wie sich später rausstellt, arbeitet er auf einem Boot als Krabenfischer)! Ja, das ist es! Wir sind uns schnell einig und buchen ein Kombifahrt zum Pinguinausguck und eine Rundfahrt auf der ‚Goldroute‘. Morgen?, frage ich Ihn, „no“, übermorgen? „no“… in einer halben Stunde vor dem Hotel meint er wäre es möglich. Ok! Wir brauchen also noch Geld. Wir fragen, die Touisteninfo-Dame will aber ohnehin grerade in Mittag gehen, es ist ja 13:45 Uhr und fährt uns mit ihrem kleinen Privatauto zum nächsten Bankautomaten. Fußweg sind es keine 300 Meter!

Die Tour ist wunderschön! Die Straße ist nicht befestigt, John (der Fahrer) hat einen 4×4 Pickup und wie jeder ordendliche Patagone, mindestens einen Steinschlag und Sprung in der Windschutzscheibe. Wieder nur 2,3 Worte englisch… wunderbar, mehr Zeit spanisch zu üben (in der Tat lernen wir wieder ein paar Worte mehr spanisch)… und er gibt sich die größte Mühe uns einen schönen Ausflug zu beschehren  – mit Erfolg.
Wir fahren vorbei an Guanakos, sehen Flamingos und fahren durch Orte, wie Puerto Nuevo, welche nur noch auf der Landkarte existieren. Der Pinguin-Aussichtspunkt ist wieder wunderschön. Eine Biologin verbringt dort das ganze Jahr in aller Einsamkeit. Tagsüber hat sie scheinbar eine Kollegin für den ‚Ticketverkauf‘. Im großen Tages-Iglo-Zelt sehen wir einen Tisch, zwei drei Stühle, ein Spinnrad.
Es sind Königspinguine. Wunderschöne Tiere. Weniger, als bei der Kreuzfahrt (nur eine Gruppe von ca. 15), aber von der Statur her größer und mit 2 kleinen braunen Pinguinbabys. Aus der ferne beobachten wir die kleine Kolonie eine ganze Weile beim Sonnen. Weiter geht’s für uns…
Das Auto wird hier nicht abgeschlossen. Wozu abschließen meint John? Hier ist niemand. John spricht fast nur spanisch und erklärt uns geduldig alles, was wir verstehen.
Weite, unendliche Weite… eine Estancia… 20.000 Schafe hat diese Estancia. Mitarbeiter: 2! Wir sehen kaum eines der Tiere.
Wir fahren die Goldroute und landen an einem weiteren Aussichtspunkt.
Blick nach links: der Pazifik, Blick nach rechts: der Atlantik, hinter uns Feuerland und das bis zu 2.500m hohe Gebirge ‚Cordillera Darwin‘, am Ende der Welt!
Zurück im Hotel sagen wir: noch eine Nacht!
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Weiter geht’s. Tag 3 in der Porvenir (was übrigens übersetzt „Zukunft“ heißt). Wieder Sonnenschein, wieder wandern wir durch den teils schlafend wirkenden Ort. Ein paar Hundebaybs spielen mit uns. Überall sehen wir plötzlich kleine Hundebabys? Am anderen Ende, auf der anderen Seite der Bucht, sehen wir ein einzelnes, verlassen scheinendes Haus. Wir beschließen „da müssen wir jetzt hin“. Wegzehrung eingepackt, Sonnencreme auf die Nase und los gehts. Uns begegnet ein einheimischer Hund, „Odie“ haben wir ihn getauft, welcher uns die nächsten 4 Stunden bei unserer Wanderung begleitet. Das gesehene Haus ist wirklich verlassen und wir steigen Querfeldein den Berg dahinter hinauf. Oben angekommen gibt’s ein Bier als Belohnung, Sonne und einen eisigen Wind ins Gesicht. Plus eine wundervolle Aussicht. Wir genießen diese Aussicht eine ganze Zeit, bevor wir und auf den Rückweg über den Bergkamm machen. Evtl. sehen wir dort Guanakos?
Odie ist immer noch bei uns. Guanakos gab’s keine zu sehen. Nur weite Landschaft, Steppengras, ein paar Steppenbüsche und jede Menge Ruhe. Am Ende des Rundkurses haben wir Odie wieder dort verlassen, wo er uns anfangs gefunden hatte. Ein trauriger Blick zurück zu ihm. Es war eine schöne Zeit mit dir…
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Abendessen gibt’s in einem aquamarinblauen, jahrhundertealten Feuerwehrhaus (das ‚La Chispa‘). Ebenso einzigartig mit seiner Außenverkleidung, wie vieler der mit Wellblech verkleideten anderen Häuser.
Zurück im Hotel sagen wir: noch eine Nacht!

Tag 4 in Porvenir. Die Sonne weckt und die Rückreise nach Punta Arenas droht. Die Fährzeit ist bekannt und wir schleichen ein letztes Mal voller Wehmut durch die uns ans Herz gewachsene chilenische Hauptstadt auf Feuerland, dem Ende der Welt!
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Porvenier, danke für die schöne Zeit…

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By Daniel on März 14, 2013

Comments:3

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  1. Antworten Schwesterchen 28.03.13

    Hallo und schön, mal wieder von euch zu lesen!

    Da habt ihr ja noch einiges gesehen auf eurer Rundfahrt, wenn es schon mit dem Auto nicht geklappt hat. Schöne Bilder, die leider nur ein Stück weit erahnen lassen, wie es dort wirklich ist. Die Pinguine sind immer wieder schön anzusehen.

    Übrigens, das ist doch schon der zweite Odie auf eurem Weg, oder!?

    Liebe Grüße

  2. Antworten Janina 30.03.13

    Hallo ihr zwei!!! Schön mal wieder von euch zu lesen und was man da lesen kann ist echt super beschrieben auch für die zu Hause gebliebenen… Das ihr jetzt 35 Grad habt ist echt beneidenswert… Wir haben zur Zeit Minus 3 Grad ( man beachte das Datum) aber gut!!! Es sei euch gegönnt!!!
    So das war’s erstmal!!! Viel Spaß noch!!! Achja auch wenn ihr jetzt in Mexiko seit wünsche ich euch trotzdem schöne Ostern!!!! 😉

  3. Antworten Janine 16.04.13

    Hallo liebe Mitleser
    Ja, wir hatten ein paar Tage kein Internet .. wie so oft. Man muss auch nicht immer mit der Außenwelt verbunden sein 😉
    @ Schwesterchen: Nein, es gab nur EINEN Odie .. das ist der einzig wahre *knuddel*
    @ Janina: Ostern ist bissl an uns vorbeigegangen .. naja bei 35 Grad nicht wirklich verwunderlich. Aber bei euch ist es ja mittlerweile auch wärmer .. also von mir aus könnte es in Deutschland bis Juni schneien 😉 😉 😉

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