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El Valle – ganz tief drin in Kolumbien

El Valle ist ein winziges Dörfchen an der Pazifikküste Kolumbiens. Genau das ist unser Ziel, dass man mal wieder nur per Flugzeug erreichen kann.

Wir starten in Medellín am Flughafen mit einem Flug einer kolumbianischen Fluggesellschaft. Der Flughafen in Bahia Soleno ist so klein, dass er nur von Miniflugzeugen und natürlich nur von einer einheimischen Fluggesellschaft angeflogen wird. Von dort aus geht es mit dem Mototaxi noch eine gute Stunde über eine matschige Straße ins Niemandsland nach El Valle.

Da wir mit so einer kleinen Maschine nur 10 Kilo Freigepäck haben, versuchen wir so viel wie möglich ins Handgepäck zu verstauen. Ein Fehler wie sich an der Sicherheitskontrolle herausstellen wird. Daniels kleiner Rucksack wird – wie immer – komplett auseinander genommen. Irgendwie ist man an Flughäfen kein Freund von Laptops und sonstigem elektronischen Kram. Doch das soll nicht das Problem sein. Das Problem ist ein kleines Nutellaglas gefüllt mit schwarzem Glitzersand. Ein Souvenir aus Puerto Viejo in Costa Rica. Der Sand ist so tiefschwarz und schaut so gefährlich aus dass ihn das Flughafenpersonal für Sprengstoff hält. Kein Durchkommen! Nach langen Diskussionen, die uns all unseren wackeligen Spanischwortschatz abverlangen, kommt die Polizei hinzu. Ein Sprengstoffhund wird geholt. Der Polizei und dem Sprengstoffhund ist unser Nutellaglas ziemlich egal. Daniel befeuchtet immer wieder seinen Finger und isst ein paar Körner Sand – ungefährlich! Das Flughafenpersonal lässt sich davon nicht beeindrucken. Vorschrift ist Vorschrift. Gute 45 Minuten sind nun fast vergangen. Wir geben nicht nach – ich bin den Tränen nahe. Für uns ist das ein Souvenir von unglaublichem ideellem Wert, nie wieder zu beschaffen. Für das Flughafenpersonal ist es nur eine dumme Vorschrift. Weiter wird diskutiert. Mittlerweile diskutiert die Polizei auch mit dem Sicherheitspersonal. Plötzlich fällt dem guten Mann ein: Es ist das Nutellaglas was nicht passt – nicht der Inhalt! Warum? Weil nicht drin ist was draufsteht. Oh mann .. ich kann euch sagen .. ich bin fast an die Decke gesprungen. Gut! Dann schütten wir den Sand in eine Plastiktüte. Nein, geht auch nicht. Mittlerweile verstehe ich den Grund nicht mehr. Wir bringen es soweit dass die Chefin der Sicherheitsabteilung auftaucht. Weiter wird diskutiert. Hin, her .. Daniel schluckt immer wieder Sand – nun ist sowieso fast das halbe Glas leer gekostet und geschnüffelt! ABER wir schaffen es. Nachdem ich wirklich fast in Tränen ausbreche und in meinem besten Spanisch sage, dass das ganz schlecht ist. Wir sind nur Touristen – keine Terroristen – und dass wir jetzt hier so Probleme haben, ist nicht gut für den Tourismus im Land. Klar, die Kolumbianer wollen den Tourismus. Irgendwann nickt die Sicherheitschefin und gibt grünes Licht – unser Flug hat zum Glück eine Stunde Verspätung.

Mit unserem 25-  Mann Flugzeug landen wir eine Stunde später in Bahio Soleno. Dort springen wir zu dritt in ein Mototaxi. Natürlich  hat auch jeder noch einen riesigen Rucksack und einen Handgepäck- Rucksack dabei. Geht schon – ist ja nur eine Stunde. Durchatmen kann keiner aber wir kommen an in El Valle.

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Unser Hotel ist eine Familienpension. Die Oma – ich schätze 85 Jahre alt – führt uns in Zeitlupentempo in unser Zimmer und zeigt uns die Dusche und die Toilette. Schön .. hmm naja einfach aber ok. Wir haben nichts erwartet. Wir haben unser eigenes Zimmer – besser gesagt einen Holzverschlag mit einem Doppelbett, einer durchgelegenen Matratze und einem Brett an der Wand als Regal. Die Dusche ist ein Rohr an der Decke und ein Loch im Boden – natürlich kalt. Davor gibt es noch Waschbecken mit Spiegeln darüber. Alles in allem ok und auch kolumbianisch sauber 😀

Der Ort ist wirklich winzig. In 15 Minuten kennt man sich aus und hat alles gesehen. Gleich gegenüber ist die Militärstation untergebracht. El Valle liegt im ehemaligen Guerilla Gebiet und wird ständig bewacht vom kolumbianischen Militär. Hier in der Gegend gab es ein paar blutige Auseinandersetzungen in der Vergangenheit. Im Moment ist es ruhig.

Vom Ort aus kann man an einem wunderschönen schwarzen Sandstrand laufen. Schwarze scharfkantige Felsen schauen aus dem Wasser. Die Wellen brechen sich schäumend weiß auf dem dunklen Sand. Die Sonne scheint. Weiße Wolkenbänder schieben sich über den blauen Himmel. Grüne Kokospalmen stehen Rand des Strandes. Wir sind allein.

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Der kleine Ort ist fast unangetastet von Touristen. Außerhalb gibt es wenige kleine Strandhotels, die man aber nicht wirklich wahrnimmt. Das unangetastete Kolumbien – ein Paradies in einem der abgelegendsten Gegenden des Landes.

Die „Straßen“ sind unbefestigte matschige Wege. Gesäumt werden die dunklen Matschwege von kleinen bunten Ziegelhäusern. Manche sind verputzt – andere nicht. Viele schimmeln von unten her vor sich hin. Das Klima hier ist feucht heiß. Dazwischen findet man Holzhütten, die in eben demselben Zustand sind. Es gibt kein Abwassersystem und nach einem tropischen Gewitter – und die gibt es täglich – stehen die Pfützen oder besser gesagt die kleinen Seen stundenlang an den Hauswänden.

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Die Bewohner von El Valle sind fast ausschließlich schwarze Afro- Kolumbianer – immer ein Lächeln auf den Lippen und neugierig. Im Ort leben alle vom Fischen und das ziemlich gut. Es gibt unheimlich viele Kinder die aber ebenfalls alle ein Lächeln auf den Lippen haben. Wir haben das Gefühl, dass das Leben hier noch in Ordnung ist.

Das Leben ist ruhig. Die alten Leute sitzen vor ihren Häusern auf Plastikstühlen und beobachten die vorbeirennenden Kinder. Die Erwachsenen arbeiten ein paar Stunden am Tag. Die Männer fischen – die Frauen sitzen im eigenen Lädchen und verkaufen Lebensmittel, Klamotten, Baustoffe oder was auch immer. Die Jugendlichen treiben sich nach der Schule in den Straßen herum, scherzen, lachen, spielen in der Billardhalle Pool oder hängen einfach nur ab.

Kleine Kinder rennen schreiend durch die Straßen. Barfuß hüpfen sie hinter ihren Hula-Hopp- Reifen her und schlagen mit Holzstöcken darauf um sie vorwärts zu treiben. Eine Gruppe kleiner Jungen zieht aus halb aufgeschnittenen Plastikflaschen gebastelte Autos hinter sicher her. Diese bewegen sich auf Flaschendeckeln als Räder.

Es macht den Anschein als kümmert sich hier jeder um jeden. Man weiß nie so genau zu welchem Erwachsenen die Kinder gehören aber alles geht irgendwie seinen Gang. Vielleicht ist es ganz einfach .. ich habe als Familie 5 Kinder. Das heißt ich mache abends die Tür auf und lasse 5 Kinder rein. So findet sicher jeder sein Bett 😀

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Manchmal findet man am Strand oder auch irgendwo im Ort einen Einheimischen der frische Kokosnüsse verkauft.

Manchmal hat man das Gefühl als spielt sich das ganze Dorfleben in der kleinen „Panaderia“ – Bäckerei gleich um die Ecke von unserem Hotel hab. Hier ist immer etwas los. Es gibt Kaffee, Brötchen und Gebäckstücke aber auch herzhafte frittierte Kugeln in einer kolumbianisch sauberen Glasauslage. Alles kostet ein paar Cent. Hier frühstücken wir und essen einen Snack zum Mittag, trinken Kaffee und beobachten die Einheimischen. Auch die Militärs treiben sich des Öfteren in der Panaderia herum. Alte Männer diskutieren an Plastiktischen und kleine Kinder betteln nach etwas Süßem. Ganz normales kolumbianisches Dorfleben.

Hier treffen wir einen netten Spanier, der ebenfalls die Abgeschiedenheit genießt und den Franzosen mit dem wir uns das Mototaxi geteilt haben. Das Zentrum des Dorfes El Valle.

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Im Dorf ist bis tief in die Nacht was los. Man kann um 23 Uhr immer noch junge Mütter beobachten, die mit ihren Kleinkindern auf den Straßen spazieren. Es scheint keinen festen Tagesablauf zu geben – jeder tut wozu er gerade Lust hat – auch wenn es tief in der Nacht ist.

Die Gegend ist ein Naturparadies. Man kann vom Strand aus Wale beobachten. Theoretisch .. sie kommen um sich zu Paaren und ihren Nachwuchs groß zu ziehen in die Gegend. Ich schaue lange in die Wellen aber leider ohne Erfolg. Ich kann keine Walfontäne erblicken. Der Franzose, mit dem wir uns das Mototaxi geteilt haben hat da mehr Glück. Er entdeckt einen Wal der kerzengerade aus dem Wasser in Richtung Himmel nach oben schießt.

Auch Meeresschildkröten legen an diesem Strand nachts ihre Eier in den Sand. Wir schleichen 4 Stunden mit Taschenlampen bewaffnet auf und ab. Leider auch ohne Erfolg. Da wir Beides auf unserer Reise durch den südamerikanischen Kontinent schon bewundern durften – halb so schlimm.

Ein einheimischer Fischer bringt uns einen Tag lang mit in den Nationalpark „Ensenada de Utría“. Auf der Fahrt dorthin sehen und hören wir Walfontänen im Meer. Näher kommen die Tiere aber nicht ans Boot. Aber sie sind da!

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Der Strand im Nationalpark ist fast noch schöner. Eine Wanderung durch den Regenwald direkt dahinter führt uns durch unberührte Natur. Es gibt auch keine Wege. Wir laufen fast ausschließlich im Flussbett. Alles ist nass und glitschig. Wir entdecken einen kleinen Flusskrebs, der knallblau ist. Leider ist der sehr fotoscheu. Über die Intensität der Farbe sind wir einmal mehr erstaunt. Der fällt sofort auf. Aber auch diese Laune der Natur wird einen tieferen Sinn haben.

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Wir verbringen hier wunderschöne drei Tage und Nächte. Ruhig umgeben von Einheimischen am Ende der Welt. Im Einklang mit der Natur.

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Als wir auf unseren Rückflug an den Mini- Flughafen von Bahia Soleno warten, muss von der Landebahn erstmal ein Hund vertrieben werden. Auch ganze Kuhherden stehen ab und an darauf herum. Es gibt weder Zäune noch sonstige Absperrungen. Unser Mototaxi- Fahrer zeigt uns stolz seine „Finca“. Ein Bretterverschlag direkt hinter der Landebahn. Er muss sie überqueren um nach Hause zu gehen. Für uns ist sowas undenkbar – Flughäfen sind normalerweise mit 3 Meter hohen Zäunen abgeriegelt. Hier ist alles möglich.

By Janine on August 14, 2013

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