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Vulkan Telica – Wo ist denn nun die Lava?!?

Bevor es losgeht mit dem Abenteuer, möchte ich euch kurz mit ein paar geologischen Fakten nerven 😀

Nicaragua liegt – genau wie fast alle Länder Mittelamerikas – auf dem pazifischen Feuergürtel. Aber was genau ist das?

Der pazifische Feuergürtel gilt als geologisch aktivste Weltregion. Es handelt sich um einen Vulkangürtel in Form eines Hufeisens, der nahezu den gesamten Pazifik umschließt. Er verläuft von Chile über Nord-Alaska und Japan bis Südostasien und zu den Pazifischen Inseln. In der Region befinden sich rund vierzig Prozent aller noch aktiven Vulkane. Die Erdplatten sind in ständiger Bewegung. An einigen Stellen des Erdmantels sind sie nur wenige Kilometer dick. An den Rändern der dort liegenden Pazifischen Platte reiben und schieben die Platten der Kontinente. So entsteht ein immenser Druck im Erdinneren, der sich immer wieder entlädt. Durch Plattenverschiebungen werden Schwächezonen erzeugt, in denen der Aufstieg von flüssigem Magma begünstigt wird. Wenn die aufgestaute Energie austritt, folgen meist schwere Beben und Vulkanausbrüche. Seit 1900 wurden entlang des Rings im Jahresdurchschnitt knapp 20 Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 7,0 auf der Richterskala gemessen. Nicht nur die Vulkanausbrüche sind das Resultat dieser Kräfte, sondern auch die zahlreichen pazifischen Erdbeben, die uns in der jüngsten Vergangenheit nicht zuletzt durch die dadurch ausgelösten Tsunamis große Katastrophen bescherten.

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Noch mehr interessantes – vulkanische Rekorde:
1. Der größte Vulkan auf der Erde ist der Mauna Loa auf Hawaii. Er ragt 4139 Meter über dem Meeresspiegel auf. Da Hawaii ja eine Insel ist, ragt der Mauna Loa aber vom Ozeangrund auf. Das Meer ist dort 5000 Meter tief, das bedeutet, dass der Mauna Loa insgesamt über 9000 Meter hoch ist. Damit ist er höher, als der Mount Everest, der höchste Berg der Erde.
2. Der höchste Vulkan auf dem Festland ist der Nevado Ojos del Salado in Chile. Er ist 6885 Meter hoch.
3. Die höchste vulkanische Ausbruchswolke ging vom Vulkan Taupo in Neuseeland aus. Er spie seine Aschewolke 50 Kilometer hoch.
4. Der Vulkanausbruch, der die meisten Menschenleben forderte, war der im Jahre 1815 auf Sumbawa. Durch den Vulkan Tambora starben 92.000 Menschen.
5. Lavaströme können bis zu 50 km/h schnell werden. Dieser Rekordwert wurde am Vulkan Piton de la Fournaise gemessen.
6. Die kälteste Lava der Welt fördert der Ol Doinyo Lengai in Tansania. Seine besondere kalkhaltige Lava hat Temperaturen zwischen 500 und 600 Grad Celsius. Damit ist sie nur halb so heiß wie normale Lava.

Nicaragua hat bei all dem Spektakel der Natur ziemlich viele Vulkane abbekommen. Um genau zu sein fast 20 feuerspuckende Berge!!

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Aber die unerschöpfliche Kraft der Vulkane wird auch genutzt. So wurde zum Beispiel an den Hängen des Vulkans Mombacho in Nicaragua ein Elektrizitätskraftwerk gebaut. Das Kraftwerk umfasst 35 Megawatt! Es wird von dem 8 km entfernten inaktiven Vulkan gespeist, dessen heiße Wasser- und Dampfvorräte aus der Magmakammer auf Turbinen geleitet werden. Nicaragua deckt heute 30% seines Strombedarfs aus Vulkanenergie.

Ein ewiger Kampf der Natur gegen den Menschen und umgekehrt. Man arbeitet ständig an der Entwicklung und Weiterentwicklung von Frühwarnsystemen – sei es nun für Vulkanausbrüche, Erdbeben oder Tsunamis. Trotz aller Fortschritte der heutigen Technik ist und bleibt die Natur unberechenbar.

Ganz klar, dass diese Naturgewalten – die noch dazu wunderschön sind – eine wahnsinnige Anziehungskraft auf uns Menschen haben. Hier kommt das Abenteuer – Vulkan Telica Nachtbesteigung:

Bereits am Nachmittag machen wir uns auf von Leon zum Vulkan Telica. Die Anfahrt geht zunächst über eine normale Landstraße, dann auf einer unbefestigten Straße weiter. Es holpert und scheppert ca. 45 Minuten lang. Die Straßen, die man uns hier immer wieder „antut“ sind echt der Hammer. Nicht mal mit deutschen Feldwegen vergleichbar .. hier müssen oft Höhenunterschiede von einem halben Meter gemeistert werden. Aber dank Geländewagen mit 4×4 Antrieb kein Problem für die Nicaraguaner.

Der Weg führt durch den Dschungel und ist – wie immer – tiefschwarz. Bereits hier Kilometer vor dem Vulkan besteht alles aus Vulkangestein und Vulkansand.

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Und dann streckt sich der Vulkankegel plötzlich dampfend aus dem Wald in den Himmel. Wow!! Leider haben wir an diesem Tag keine ganz klare Sicht auf den Vulkan. Wie immer schieben sich Wolken hier und da ins Bild. Aber trotzdem wunderschöne Natur 😀

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Wir fahren weiter in den Dschungel hinein, bis an den Fuß des Kegels – bis an die Baumgrenze. Hier gibt es noch einen Kaffee, eine Banane und ein paar Kekse und dann geht’s los. Ab nach oben.

Der Aufstieg ist diesmal ziemlich steil von Anfang an und bleibt auch so bis zum Kraterrand. Langsam Schritt für Schritt bahnen wir uns den Weg durch das Vulkangeröll. Einen Weg gibt es nicht. Hier und da sieht man ein paar magere Pferde, die hier oben nach Essbarem zu suchen scheinen. Wieso auch immer, denn die Natur ist hier dünn gesät. Der Guide erzählt uns, dass das keine Wildpferde sind. Die Bauern lassen sie frei und wenn sie eins brauchen holen sie sich eins. Hmm .. ziemlich umständlich erst auf den Vulkan zu klettern, wenn man ein Pferd braucht. Aber naja ..

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Auf halber Höhe machen wir eine längere Pause. Die Aussicht ist traumhaft! Wir stehen auf einem Berg mitten in der Vulkankette .. vor uns Vulkane .. hinter uns Vulkane. Wunderschön! Am schönsten dampft der Vulkan Cristobal vor sich hin. Ein perfekter Kegel mit einem Kraterloch ganz oben, darüber schwebt eine weiße Dampfwolke – man könnte ihn ins Lexikon unter „Vulkan“ kleben!! Die Natur hier ist saftig grün, das Vulkangestein schwarz-rot. Und auch hier wieder die zaghaften Versuche der Natur das Gebiet für sich zu erobern. Bodengewächse, Gras, Büsche .. Bäume hingegen haben es seit dem letzten Ausbruch noch nicht geschafft.

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Nach viel schwitzen und in der Dämmerung erreichen wir den Krater. In 1.060 Metern Höhe ein riesiges dampfendes Loch! WOW!! Sprachlos stehen wir davor. Der Guide meint, wir sollen uns nur auf dem Bauch liegend ganz an den Kraterrand wagen. Zu gefährlich sind die Winde hier oben. Wenn man hineinfällt, hat man keine Chance und es würde wohl kaum jemand hinterherspringen!!

Ich lege mich also auf den Bauch und krieche nach vorne. Nach vorne um über den Rand zu schauen. Irgendwie hat man das Gefühl an den Tellerrand zu kriechen. Mein Herz klopft, meine Augen tränen vom Schwefeldampf und ich kann kaum atmen. Aber es ist einmalig! Was ich sehe? Garnichts .. der weiße Dampf ist zu dicht .. aber das Gefühl ist unbeschreiblich! Ich schließe die Augen. Was ich höhre? Das laute Zischen des Dampfes. Es hört sich an wie eine viel befahrene Autobahn. Wahnsinnig laut!

Er arbeitet also stetig vor sich hin. Keiner von uns kann sich vorstellen, welche Kräfte unter uns brodeln!!

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Wir gehen ein kleines Stück vom Krater weg auf eine zweite Anhöhe, die direkt neben dem Kraterberg liegt. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf das dampfende Loch! Außerdem befindet sich hier die Messstation mit der alles überwacht wird. Wir hoffen, die funktioniert!!

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Wir warten, stärken uns vom Aufstieg, warten. Auf was?? Na auf die Dunkelheit!! Warum?? Weil man die glühende Lava im Krater sehen kann. Leuchtend rot, wenn der Wind gut steht und den Dampf mitnimmt. Nach einem kleinen Picknick geht’s zurück zum Kraterrand. Mittlerweile ist es ziemlich dunkel geworden. Wir legen und auf dem Bauch, schauen, warten, hoffen. Wenn wir eins auf unserer Reise gelernt haben dann ist es, dass man viel Zeit braucht.

Der Schwefeldampf brennt so in den Augen und im Hals, dass es kaum auszuhalten ist, auch ein davorgehaltenes Tuch hilft wenig .. egal! Wird man schon überleben ..

Und tatsächlich!! Ca. 50 Meter unter uns im Zentrum des Kraters glüht rote Lava!! Der Wind tut uns immer wieder kurz den Gefallen. Kommt mit Schwung aus der richtigen Richtung, nimmt den weißen Vulkandampf mit und gibt damit die Sicht in den Krater frei.

Mittlerweile ist es dunkel, wir starren alle gebannt in das dampfende Loch. Unvorstellbar, dass man hier stehen kann während 50 Meter weiter unten die 600 bis 800 Grad heiße Lava brodelt! Der Dampf pfeift uns unermüdlich mit lautem Getöse um die Ohren.

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Ich opfere dem Kratermonster eine Bananenschale, aber es spricht nicht mit mir. Zum Glück 😉

In stockfinsterer Nacht geht es zurück zum Auto. Mit Taschenlampen bewaffnet stolpern wir Schritt für Schritt, Stein für Stein nach unten. Nach einer halben Ewigkeit erreichen wir das Auto. Der Fahrer hat extra die Lichter brennen lassen, damit wir ihn auch wieder finden. Mitten im Dschungel sind Straßenlampen nämlich äußerst selten 😉

By Janine on Juni 10, 2013

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