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Semuc Champey – smaragdgrüne Lagunen im tiefen Regenwald

Nach unserer doch recht erschreckenden Busfahrt nach Flores entscheiden wir uns für die Fahrt nach Semuc Champey für ein doch recht teures Touristenschuttle. Die Word- Rechtschreibhilfe macht aus diesem Wort eine Touristenschüttle .. was den Tatsachen auch viel näher kommt – das wissen wir aber beim buchen noch nicht!

Im Hotel hängen die Verbindungen von Flores aus u.a. Semuc Champey 8 Stunden .. Anfangs denken wir es handelt sich um einen Ganztagesausflug, also Hinfahrt, Aufenthalt und Rückfahrt. Nachdem wir uns erkundigen werden wir auf den guatemaltekischen Boden der Tatsachen zurückgeholt. DAS ist nur die Hinfahrt!! Oh man!! Dann gleich zweimal ein komfortables Touristenschuttle und bitte kein Chickenbus, denn das überlebe ich nicht nochmal!!

Am nächsten Morgen geht es um 7 Uhr los. Vor dem Hotel hält ein Kleinbus. Auf den ersten Blick ganz gut, könnte sogar Klimaanlage haben. Wir steigen ein und setzen uns in die hinterste Reihe – ein fataler Fehler, wie sich noch herausstellen wird. Der Bus klappert nach und nach ein Hotel nach dem anderen ab. Meist steigt ein Pärchen ein, oder aber eine Gruppe mit 4 oder 5 Leuten, Gepäck auf dem Dach festgebunden und weiter geht’s zum nächsten Hotel. Der Bus wird voller und voller .. Plötzlich geht es nicht weiter. Eine längere Wartezeit in der wir erfahren, dass einige der anderen Tickets auf 8 Uhr ausgestellt sind. Also bis 8 Uhr warten!! Guatemaltekische Organisation ..

Irgendwann sind sogar die 2 Plätze neben dem Fahrer belegt – wobei der eine in der Mitte ja eher nur ein Notplatz ist und man da ziemlich unbequem sitzt. Der Bus bewegt sich stadtauswärts und hält plötzlich ein weiteres Mal. Es steigen 4 (!) weitere Touristen ein. Ok, jetzt sind wir 20 Leute UND Gepäck, denn es hat ja jeder noch einen kleineren Rucksack, den er mit in den Bus nimmt mit Geld, Snacks, Getränken usw. Wir können uns weder nach links noch nach rechts bewegen. Die Beine hängen den Mitreisenden vor uns im Rücken, denn nach vorn ist auch überhaupt kein Platz! Es ist viel enger als im Flugzeug und natürlich hat der Bus keine erwartete Klimaanlage und natürlich haben wir ganz hinten auch kein Fenster, aus dem man den Kopf hängen könnte! 8 Stunden ..

Anfangs geht es über recht gute autobahnähnliche Straßen jedoch später in den Dschungel hinein! Hier ist nichts mehr geteert, Felsbrocken liegen überall auf dem Weg. Der Bus hoppert hin und her, hoch und runter. Oft muss er durch echt große Löcher oder über wirklich hohe Kanten fahren. Als wir aussteigen, spüren wir unsere Beine kaum noch. Der Transport hier ist definitiv schrecklich! Und wie auch in den Chickenbussen darf man keine Berührungsangst vor anderen Menschen haben. Dann ist man hier falsch 😀

Doch wir sind noch nicht am Ende! Wir werden in einen Pickup verladen, denn hier kommt der Kleinbus nicht weiter! Gepäck und 13 Leute, die alle in das gleiche Hotel mitten im Regenwald wollen. Doch wo sollen die ganzen Leute sitzen?? Die Antwort ist: Garnicht!! Das Gepäck kommt auf die kleine Ladefläche, die Mädels dazwischen, die Jungs hängen sich an die Seiten des Pickups. So geht es noch 11 Kilometer und eine gute halbe Stunden in den Regenwald hinein. Das ist nach den schrecklich engen und schweißtreibenden 8 Stunden zwar total verrückt aber fast lustig und viel besser!

Das Hotel ist wirklich mitten im Regenwald. Hier gibt es nur Bäume, Tiere und ein paar Holzhütten, die zum Glück vor ein paar Jahren einen Stromanschluss bekommen haben! Außenrum ist garnichts ausser Wald! Kilometerweit! Unser „Privado“ ist eine Holzhütte. Durch die riesigen Spalten zwischen den Brettern kann man das Nachbarzimmer in allen Einzelheiten sehen – also eher eine „Privado“- Gemeinschaftsunterkunft. Das ist aber nicht das schlimmste. Durch die Ritzen oder besser gesagt handbreiten Spalten kann auch alles Viechzeug ungehindert rein und raus! Regenwald!

In unserem Zimmer findet sich tatsächlich auch wenig später eine riesige tiefschwarze Spinne wieder. Ich bin zu Tode erschrocken, denn die ist echt groß – mit Beinen und allem was das Teil so hat mindestens  5 cm! Sie lässt sich aber von uns nicht weiter stören. Jeder Flip Flop Tötungsversuch scheitert und jedes Mal wenn wir in unser Zimmer zurückkehren hockt sie in einer anderen Ecke. Ich starte noch einen Versuch beim Hotelchef. Der versucht sich auch mit seinem ausgetretenen Flip Flop – ohne Erfolg und nur zur Erheiterung der Spinne – und meint dann, die ist nicht groß. Es wäre alles in Ordnung! Ok, wir sind also zu dritt! Die wohnt halt hier – wir geben auf sie töten zu wollen und nennen unser Zimmer „Spiderroom“ – „Spinnenzimmer“. Wir fragen sogar nach einem Rabatt, da ja schließlich der Spider auch einen Teil des Preises zahlen muss 😀

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An diesem Tag und nach diesem Transport lassen wir uns nur noch auf den Hängematten nieder und genießen den Abend gemeinsam mit den anderen, guten Reisegesprächen und vielen kalten Bieren. Doch recht gemütlich im Regenwald.

Am nächsten Tag geht es auf nach Semuc Champey. Ein bisschen aufgeregt sind wir, denn das soll laut Reiseführer der schönste Ort in Guatemala sein!  Die Luft ist feucht-warm, schwer hängen die Wolken in den subtropischen Bäumen. Noch wenige Kilometer weiter nördlich hatten wir mit trockener Hitze zu kämpfen – wohl selten findet man ein Land wie Guatemala mit derart vielen Klimazonen auf engstem Raum.

Zuerst besuchen wir die Semuc Champey Höhlen. Barfuss oder mit Flip Flops geht es nur mit Badesachen bekleidet hinein in ein schwarzes Loch. Es ist eine Wasserhöhle und sie macht ihrem Namen alle Ehre. Nach ein paar Schritten stehen wir bereits knietief in wirklich kaltem Höhlenwasser. Das schönste und aufregendste .. es gibt keinerlei Beleuchtung hier drin! Jeder unserer Gruppe hält eine dünne Kerze in der Hand. Sehr romantisch oder gespenstisch. Aber zum Träumen oder Angst haben, bleibt keine Zeit. Auf geht’s tiefer in die Höhle. Und nur weil man in eine Kerze in der Hand trägt, heißt das in Guatemala nicht, dass es lockeren Fußes auf einem lustigen Wanderweg weitergeht. Der Wasserpegel wechselt von knöchelhoch bis 2,50 Meter tief und tiefer. Immer wieder laufen oder schwimmen wir, wobei man erstmal in das Wasserbecken rein- und wieder rauskommen muss, was meist nur kletternd oder rutschend funktioniert. Habt ihr schonmal versucht mit Kerze in einer Hand und Flip Flops an den Füssen in völliger Dunkelheit zu schwimmen? Aufregend und anstrengend kann ich auch sagen!

Das Ganze ist auch nicht ganz ungefährlich. Man kann nicht wirklich weit ausholen denn unter Wasser erwarten einen scharfkantige Felsen die man logischerweise nicht sehen kann. Man kann sie nur fühlen! Also eher die Hunde- Paddeltaktik ohne ausholen und immer schön einen Arm oben halten, da einen sonst Dunkelheit erwartet! Wir steigen auf unserem Weg tiefer in die Erde 3-4 Leiter hoch und runter und müssen uns sogar einmal an einem Seil die Felswand ca. 3 Meter hochziehen. Alles barfuss in Badebekleidung und ohne Netz und doppelten Boden. In Deutschland wäre dieser Spaß definitiv verboten! In Guatemala kein Problem! Rückwärts gab es eine Art Abkürzung, die jedoch durch eine Felsspalte ins Wasserbecken darunter ging. Das heiß man musste sich über die Felsspalte hängen, der Guide hat einem dann noch etwas am Arm gehalten und dann Luft anhalten (damit man durch den wirklich engen Spalt passt) und fallen lassen. In die absolute Dunkelheit und ins tiefe schwarze Wasser! Ein Moment an dem ich fast kapituliert hätte und auch nicht so wirklich wusste wohin mit meiner Brille .. aber wohin sonst?? Der Weg ging nur nach unten!!

Wirklich ein einzigartiges und total spannendes Erlebnis mit  viel Spiel, Spaß und Nervenkitzel! Nicht für Leute mit Platzangst oder für Menschen, die sich  Gedanken über Fledermäuse und Wasserschlangen machen! Leider hatten wir keine Kamera dabei, sodass dieses Erlebnis nur in unseren Erinnerungen gespeichert ist. Und auch ein Erlebnis, dass mir noch Tage danach Muskelkater am ganzen Körper beschert.

Danach geht’s noch eine halbe Stunde auf zum Rivertubing. Also schwarzer Gummireifen, draufsetzten, ab auf den Fluss und hoffen, dass kein Wasserfall kommt. Der Fluss ist aber ziemlich handzahm zu dieser Zeit. Wir sind an diesem Tag mit einer Gruppe von ca. 15 jungen Leuten unterwegs. Ein Postkartenmotiv, als jeder so auf seinem Gummireifen sitzen langsam in den leisen Wellen des Flusses hin und herschwingt.

Dann ist es soweit: Hier, in Alta Verapaz, der Region an der Grenze zum feucht-heißen Petén, dem Regenwald im Norden Guatemalas, findet man ein einzigartige Naturspektakel. Semuc Champey bedeutet in der Maya Sprache „dort wo der Fluss in der Erde verschwindet“ und ist nahe dem kleinen Ort Lanquin gelegen. Hier stößt man auf ein beeindruckendes Naturwunder. Der Fluss Rio Cahabon mit sehr klarem Wasser, welches sich nach einem tosenden Wasserfall in Kalksteinbecken sammelt und in Stufen weiter nach unten fließt. Der Rio Cahabon teilt sich hier quasi in 2 Läufe: Einen unterirdischen Verlauf und den oberirdischen Terassen-Lauf. Beide Verläufe treffen an der Höhle von Lanquin wieder zusammen und vereinigen sich.

Die Terrassen sind wirklich beeindruckend. Die Becken sind aus gelbem Kalkstein, das Wasser smaragdgrün, glasklar und der Regenwald im Hintergrund rundet das Bild mit leuchtendem grün ab. Nachdem wir ins erwischende Nass gestiegen sind, versammeln sich sofort hunderte kleine Putzerfische um uns herum und machen sich an ihre kitzelige Arbeit.

Man kann vom oberen Becken immer weiter nach unten ins nächste Becken springen oder rutschen. Während Daniel sich dieser Wassersportlichen Aufgabe widmet, chille ich lieber im oberen Becken und genieße den Regenwald um mich herum.

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Der Terassenartige Verlauf des smaragsgrünen Wassers von Semuc Champey lässt sich am besten von einem Aussichtspunkt hoch oben im Regenwald aus im Ganzen wahrnehmen. Der Aufstieg ist schweißtreibend jedoch ist die Aussicht ein Traum. Grün, Grün, Grün und dazwischen die Becken von Semuc Champey. Wow!

Leider ist es an diesem Nachmittag doch recht diesig, sodass unsere Fotos nicht ganz so gelungen sind. Ich lade euch daneben noch ein Foto aus dem Internet mit hoch damit ihr seht, wie es aussehen sollte 😉

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Am Parkplatz wieder angekommen müssen wir noch etwas warten bis es wieder zurück ins Hotel geht. Dabei versammeln sich einige kleine einheimische Mädchen um uns herum, die Schokolade verkaufen. Wir unterhalten uns etwas und sie finden die ganzen Ausländer sehr aufregend. Wir sind in ihren Augen auch wirklich anders. Wir sind groß – die Leute hier sind nur 1,40 oder 1,60 und vor allem haben wir ganz weiße Haut. So faszinierend für die Mädels wie für uns tiefschwarze Afrikaner. Zwei von den Mädels tippen immerwieder auf meine bunten Haarspangen. Kurzerhand entscheide ich jedem der beiden eine zu schenken. In ihrem tiefschwarzen Haaren sehen die bunten Farben richtig gut aus. Sie freuen sind und strahlen mich an. Sofort geht es los und es werden alle möglichen Frisuren mit den neuen Haarspangen probiert .. sind halt Mädels!

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Danach geht es hängend am Pickup wieder zurück ins Hotel. Dort wartet am Abend noch eine Überraschung der anderen Art auf uns. Shakira – der Baby- Ameisenbär. Sie wurde auf einem Baum gefunden ohne Mama in Sicht. Seitdem lebt sie im Hotel. Sie schleckt mit ihrer langen dünnen Zunge Nektar aus dem Baumblüten, hat einen nackten Schwanz, der sich sofort zu ihrem Schutz um den Arm schlingt, hat riesige Tatzen, die sich am Arm festklammert, einen total süßen kleinen Nasenrüssel , ein ölig, borstiges Fell und will male eine ganz große Ameisenjägerin werden!

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By Janine on Mai 16, 2013

Comments:2

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  1. Antworten Globetrotter 29.06.13

    Hahaha, hat man euch nicht gesagt, dass man in den Höhlen KEINE FlipFlops, sondern festers Schuhwerk anziehen sollte?! 😉 Faszinierend, wie ihr damit verletzungsfrei durchgekommen seid…da kommen Erinnerungen wieder hoch…Freu mich für euch und bin in Gedanken immer dabei 🙂 Viel Spaß weiterhin!

  2. Antworten Janine 01.07.13

    Du wieder .. hattest Du das gesagt?!? Habe ich verdrängt 😉 .. wie auch immer, ja wir haben es verletzungsfrei überlebt und es war echt cool! Ich war froh, zumindest Flip Flops dabei zu haben .. die Steine waren teilweise hölle-spitz – nur beim Schwimmen hinderlich ..
    Glaub ich, dass die Erinnerungen sprudeln .. ist auch richtig so .. dafür macht man es ja eigentlich 😀
    Lieben Gruß aus Costa Rica

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