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Flores – Tikal, der Geist des Herrschers Jaguar

Die Busfahrt von Rio Dulce nach Flores in einem der bereits bekannten Chickenbusse dauert laut Reiseführer ca. 4 Stunden, es sind 208 Kilometer hinein in Guatemalas Dschungel. Die Busse fahren mitten in der Stadt ab – alle 15 Minuten. Der Bus in den man uns bittet oder besser gesagt stopft, ist voll. Kein Sitzplatz in Sicht. Beim Ticketkauf können wir uns nicht vorstellen, dass wir in dem Bus noch Platz finden, aber klar, das geht!!

Wir fahren los, stehend, eingequetscht zwischen vielen stehenden Guatemalteken. Es ist heiß an diesem Tag – ca. 30 Grad, der Bus innen gleicht einer Saune. Natürlich gibt es keine Klimaanlage, nur ein paar offene Fensterschlitze. Wir schwitzen, aber das soll in den nächsten Stunden unser geringstes Problem sein.

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Chickenbusse halten – wie bereits in anderen Berichten beschrieben – überall, wo Menschen mitfahren wollen. Die Fahrt verläuft also schleppend und immer wenn gestoppt wird, kommt gar keine Frischluft mehr ins Innere des Busses. Nach ca. 20 Minuten hält der Bus für längere Zeit – vielleicht 15 – 20 Minuten. Der Fahrer holt sich erstmal was zu Essen und Trinken an einem Straßenrestaurant. Auch das ist normal und es ist auch normal, dass er dann sein Hähnchen am Steuer zusammen mit Tacos und Cola isst .. aber unter den Umständen fast unerträglich. Glücklicherweise stehen wir weit vorne, sodass wir durch die offene Tür etwas Luft bekommen. Hinten im Bus fangen die Leute nach ca. 10 Minuten das Rufen an, wann es weiter geht – dort muss es wirklich unerträglich sein .. und in Deutschland stöhnt man, wenn im ICE die Klimaanlage ausfällt .. 😉

ENDLICH geht es weiter! Der Bus fährt an – stoppt, fährt – stoppt usw. es wird immer voller. Wir können uns nicht mehr bewegen, können kaum beide Füße nebeneinander auf den Boden stellen. Im Bus sind jetzt ca. 70 sitzende Menschen und geschätzt 20-30 stehende .. Wahnsinn. Sowas haben wir beide noch nicht erlebt! Wir schwitzen, alles ist nass, klebrig und wirklich furchtbar anstrengend. Vor allem mit dem Wissen, dass die Fahrt 4 Stunden dauert!!

Nach ca. 2 Stunden erbarmt sich ein mitreisender Honduraner (aufgefordert von einem jungen, guatemaltekischen Studenten, mit dem wir dann etwas ins Gespräch gekommen sind) und bietet mir seinen Sitzplatz an. Dankend nehme ich das Angebot an. Nun kann ich auch den Rucksack mit dem Laptop auf dem Schoss festhalten. Dieser war irgendwo zwischen Beinen eingeklemmt .. manchmal ist es nicht so einfach die zerbrechlichen Sachen zu schützen, wenn man selbst nicht richtig stehen kann. Größere Sachen, wie unsere große Rucksäcke, sind wie meist in den Chickenbussen auf dem Dach des Busses verstaut. Nach einer weiteren Stunde ist auch ein Sitzplatz für Daniel frei. Wahnsinns- Fahrt.

Doch nach ca. 4 Stunden – mehr oder weniger – wie auch immer, erreichen wir Flores. DANKE lieber Reisegott 😀

Die Stadt Flores liegt spektakulär auf einer Insel im Lago de Petén Itzá. Eine von Touristen dominierte Stadt oder besser gesagt ein Städtchen umgeben von Wasser. Enge Pflasterstraßen, gepflegte Häuser, ein paar kleine Läden, ein paar kleine nette Restaurants und Bars mit Seeblick. Unser Hostel mit Dachterrasse und Seeblick. Alles vorhanden um die Reiseseele etwas baumeln zu lassen. Das tun wir auch am ersten Nachmittag nach dieser Busfahrt! Auch am nächsten Tag nehmen wir uns erst einmal einen Auszeit und erkunden nebenbei die kleine Insel-Stadt.

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Am zweiten Tag geht es nach Tikal. Tikal wird vielen Mitlesern etwas sagen, da bin ich mir sicher. Für alle, die nur Bahnhof verstehen: Tikal ist eine antike Stadt der Maya in den Regenwäldern des Petén, im nördlichen Guatemala, mit bemerkenswerten Stufentempeln. Sie war eine der bedeutendsten Städte der klassischen Maya-Periode (3. bis 9. Jahrhundert) und ist eine der am besten erforschten Maya-Städte.

Nach vielen besuchten Mayastätten in Mexiko dachte ich .. ach Tikal .. noch eine Mayastätte mit Pyramiden zum raufklettern .. usw. .. ABER WOW Tikal!!

Auch wenn diese Ruinenstätte sehr touristisch ist, die muss man gesehen haben!! Echt beeindruckend!!

Früh um 4.30 Uhr geht es mit dem Bus von Flores Richtung Tikal. So früh einerseits wegen der Hitze und andererseits weil Tikal wirklich groß ist. Wir wollen es genießen ohne stressiges Gehetze, was manch andere Touristen antreibt, weil sie für die Besichtigung nur 2 oder 3 Stunden Zeit haben. Wir haben einen ganzen Tag und es wird einer der schönsten in Guatemala!

Nachdem wir das Ticket gekauft haben, laufen wir erstmal ca. 10 Minuten in die Ruinenstätte hinein bis zur ersten Hinweistafel, was sich wo befindet. Schon hier bestätigt sich: Tikal ist groß!

Bis zur ersten Ruine sind es dann nochmal 10 Minuten auf einem schmalen Weg mitten durch den Regenwald. Der erste kleine Tempel  ist ziemlich verfallen und im typischen Tikal- Stil gebaut UND .. bewohnt!! Als Daniel den Foto herausholt, kommt ihm ein Nasenbär entgegengeschlendert und tut so als gehöre der Tempel ihm. Wir wollen den kleinen Kerl auch nicht weiter stören und schleichen uns wieder in Richtung Hauptweg.

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Weiter geht es durch den Dschungel und wir entdecken einen richtig großen Tempel. Den „Tempel Nummer 38“. Wieso diese Bezeichnung wissen wir nicht aber das Teil ist echt groß und ziemlich verfallen. Aber er lässt die Größe und die Bedeutung Tikals erahnen.

Und tatsächlich von hier schauen die riesigen Tempelpyramiden Nummer I und II schüchtern durch das grüne Dickicht des Dschungels. Als wir auf dem Grand Plaza stehen, können wir die Größe und Schönheit kaum fassen. Links der gigantische Tempel I, rechts der nicht weniger beeindruckende Tempel II, weiter entfernt aus dem Dschungel schauend der Tempel V, direkt vor und unter uns die Acropólis del Norte. Das Foto entstand von der Spitze eines weiter hinten liegenden Tempels. Nur von oben gelingt ein ungefährer Überblick, von unten kann man den ganzen Komplex niemals auf einem Foto einfangen!

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Wir bleiben lange auf dem Gran Plaza, setzen uns in den Schatten der Bäume auf dem Platz, starren immer wieder die Tempeltreppen nach oben, wobei man leicht Genickstarre bekommt. Ich ertappe mich des öfters mit offenem Mund und denke mir .. Mund zu – sind nur Pyramiden 😀 Aber eine solche Größe, Symmetrie und mächtige Schönheit sind mir noch nicht begegnet!

Der Tempel I – der Tempel des großen Jaguars – ist atemberaubende 44 Meter hoch. Der König dieser Zeit hat die Pläne entworfen doch fertiggestellt wurde dieses gigantische Bauprojekt erst durch seinen Sohn. Auf der Spitze des Tempels befindet sich ein kleines Bauwerk mit 3 Kammern, überdacht von einem Bogen. Ursprünglich war dieses Bauwerk mit Reliefs und Gemälden in heller Farbe bedeckt. Man vermutet, dass die Symbole die 13 Bereiche des Mayahimmels darstellten. Im Tempel hat man die Grabkammer mit Überresten von König Jasaw Chan K’awiil I. gefunden. Daneben wurden unendlich viele Grabbeigaben ausgegraben. Zum Beispiel die 180 Jade- Objekte und ca. 90 Knochen und Gefäße, die mit Hieroglyphen versehen waren. Aufgrund von tödlichen Unfällen ist der Tempel leider nicht mehr besteigbar!

Der Tempel II ist ähnlich gebaut, jedoch ist dieser nur 38 Meter hoch, aber deshalb nicht weniger eindrucksvoll! Leider ist auch dieser zurzeit nicht besteigbar. Das Zelt am oberen Ende lässt erahnen, dass mal wieder weitere Ausgabungen stattfinden.

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Seitlich an den Grand Plaza grenzt die Acrópolis del Norte. Hier kann man auf nicht weniger als 12 kleineren Tempeln herumkraxeln. Es ist einer der eindrucksvollsten Orte in Tikal, gleich nach den Tempeln I und II. Die Acrópolis stammt nicht aus einer Zeit allein. Sie wurde immer wieder umgebaut, überbaut und erhielt erst im 9. Jahrhundert den heutigen Stand. Die Acrópolis wurde hauptsächlich als Begräbnisstätte der Elite genutzt. Hier wurden zahlreiche Gräber freigelegt, die leider von Touristen nicht zu besichtigen sind.

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Nachdem wir uns endlich losreisen können von diesem gigantischen Komplex, erschlägt uns gleich der nächste. An die andere Seite des Grand Plaza grenzt die Acrópolos Central. Dieser ebenfalls riesige Komplex ist erstaunliche und nicht fassbare 15.000 m² groß! Hier findet man so zahlreiche Gebäude, dass man unmöglich alles besichtigen und besteigen kann. Schlafräume, Wohngebäude, Versammlungsräume und eine Lodge zur Beobachtung der Spiele auf dem Ballspielplatz. Besonders beeindruckend ist, dass sich Teoberto Maler 1895 in einem Tempel niederlies, der dann auch nach ihm benannt wurde, als er die Ruinenstätte besuchte und die ersten Fotos dieser machte.

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Unser Weg führt uns nun durch dichten Dschungel über einen kleinen Weg. Plötzlich bewegen sich die Baumkronen, es raschelt in den Ästen. Affen! Kleine Spideräffchen spielen in den Bäumen fangen, kriegen und lausen sich. Wir sind ganz allein. Wahrscheinlich nehmen wenige Touristen den langen Weg zum Tempel V auf sich. In 3 Stunden auch nicht machbar, denn 3 Stunden braucht man allein auf dem Granz Plaza! Aber wir wollen entdecken!

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Angekommen am Tempel V. Und WOW!! Für mich der beeindruckteste Moment! Während die Rückseite des Tempels noch ein Haufen Erde ist, ist die Vorderseite ausgegraben und rekonstruiert. Die Ecken rund, nicht eckig! Die rechte Seite rekonstruiert mit riesigen rundkantigen Stufen, die linke Seite mit Leitern versehen, von Bäumen bewachsen und Erdreich bedeckt. Mit seinen 57 Metern Höhe hält mich dieser Tempel gefangen, ich muss mich setzten – Wahnsinns- Moment! Es ist unvorstellbar wie die Pyramiden mitten im Urwald gefunden und ausgegraben werden. Eine wirkliche Meisterleistung!

Lange stand dieser Tempel bei den Archäologen nicht im Focus. Zu unserem Glück. So lässt sich jetzt noch erahnen, in welchem Zustand sich das Maya- Erbe heute ohne Menschenhand befindet. Erst im Jahre 1987 wurde dieser in die Ausgrabungsarbeiten mit eingefasst und brachte zahlreiche Funde zutage. So wurden auch einige Kammern im inneren der Pyramide entdeckt. Zwei kleinere Kammern enthielten Opfergaben wie Räuchergefäße und Tongefäße. In den größeren Kammern wurden Skelette von Toten gefunden. Eine Grabkammer enthielt ein etwa 15 jähriges Mädchen das in der späten Klassik an einer schweren Entzündung im Zahn-Kiefer Bereich gestorben war. Direkt unter der Pyramide wurde eine weitere kleine Grabkammer entdeckt. Diese wurde räumlich direkt unter der zentralen Achse des Tempels auf der Spitze gebaut.

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Unser Weg weg vom Tempel V führt uns weiter durch den Dschungel in Richtung des Platzes der sieben Tempel. Tempel über Tempel und einer schöner als der andere, jeder anders!

Diese Plaza wird namensgebend auf der Ostseite von sieben Tempeln flankiert. Diese werden derzeit freigelegt und restauriert. Weiterhin findet sich an der Nord-Seite hier ein Doppel-Ballspielplatz, der aber noch nicht freigelegt ist. Wir erkennen ihn erst nachdem wir uns mit ein paar Arbeitern unterhalten. Die zeigen uns die Hügel, die für uns wie normale Hügel im Wald aussehen, mit Laub übersäht und mit Bäumen bewachsen. Darunter befindet sich der Ballspielplatz, der auf seine Freilegung wartet. Im Süden und Westen finden sich jeweils kleinere Paläste. Hier lässt uns unser Foto endgültig im Stich. Unmöglich das Ganze so eindrucksvoll einzufangen, wie es vor uns steht! Dank der Panorama- Funktion gelingt uns ein ungefährer Überblick.

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Der nächste Komplex die Mundo Periodo Gruppe wird zunächst von unzähligen Nasenbären bevölkert, die irgendwas im Erdreich gefunden haben und jetzt kräftig mit ihren Nasen danach buddeln. Mitten im Komplex steht eine 30 Meter hohe Pyramide, die als Lost World (verlorene Welt) Pyramide bezeichnet wird. Später nach der Erbauung wurde hier oben eine Plattform errichtet, die wahrscheinlich zur Sonnen- und Sternbeobachtung diente. Sie gilt als die älteste Anlage zur Sternen und Sonnenbeobachtung in der Maya-Welt. Auch in diesem Komplex findet man zahlreiche noch nicht freigelegte Tempel unter Hügeln, die wir mittlerweile ziemlich gut erkennen.

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Wer jetzt glaubt, das Ganze wäre nicht zu toppen, irrt sich! Als nächstes folgt jedoch eine längere Pause für uns im Schatten eines Picknickplatzes, mit kalten Getränken, neugierig umherstreunenden Nasenbären, in den Baumkronen spielenden Affen und stolz herumlaufenden großen Vögeln – eine Art Pfauen.

Wir schlendern weiter in Richtung Tempel IV. Noch wissen wir nicht, welch beeindruckende und schweißtreibende Aktivität vor uns liegt. Und da ist er, der Tempel IV, 65 Meter hoch! Er steht in der gleichen Bauweise wie die Tempel I, II und V vor uns. Ein verwinkeltes Hozlgerüst lädt zum Besteigen ein. Wir beginnen mit dem Aufstieg und nach 10 Minuten ohne Ende in Sicht wird klar, das kostet uns die letzten Kräfte des Tages 😀

Oben angekommen verschlägt es uns wie so oft an diesem Tag die Sprache! Belohnt wird der Aufstieg mit einem fantastischen Überblick über den Regenwald, aus dem die Tempel I., II, III. und V. sowie die Pyramide der verlorenen Welt herausragen. Diese Ansicht wurde auch von George Lucas am Ende des ersten Teils von Star Wars (Episode IV – Eine neue Hoffnung) verwendet. Auf der Pyramide befindet sich ein Tempel in denen drei Kammern zu finden sind. In einer Kammer hat man einen Türsturz aus Holz gefunden, der mit reichlichen Schnitzarbeiten versehen worden ist. Über dem Tempel ist ein massiver Dachkamm, der im inneren ein paar lehre Kammern enthält, die aus statischen Gründen (Gewichtsreduktion) eingebracht worden sind. Jahresangaben im Tempel weisen auf ein Fertigstellungsdatum im Jahre 740 n. Chr. hin. Viele Archäologen vermuten eine Grabkammer von Yik’in Chan K’awiil unter der Pyramide.

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Nun sind wir fast am Ende der beeindruckenden Welt von Tikal angekommen. Der Weg führt uns weiter durch den Regenwald an noch ein paar kleineren Tempeln vorbei, die alle noch einen kurzen Abstecher- Besuch verdient haben – wie zum Beispiel der Fledermaustempel. Danach beginnt der 30- minütige Rückweg und nachdem uns der Regenwald wohlbehalten am Ende des Tages wieder ausspuckt, sind wir glücklich, total geschafft und reich an neuen Eindrücken, die lange Zeit zum Verarbeiten brauchen.

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By Janine on Mai 13, 2013

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