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Livingston – Rio Dulce

Guatemala – ein neues Land. Neue Eindrücke, neue Gesichter .. wir haben soviel Gutes über Guatemala gehört, dass wir richtig gespannt sind auf das was uns erwartet. Auf das was wir hier erleben werden. Auf die Menschen. Auf die Kinder. Auf die Natur und die Tiere. Auf die großen Städte und die kleinen Dörfer. Auf jeden Eselskarren 😀

Zuerst geht es von Punta Gorda in Belize mit der „Fähre“ über das karibische Meer nach Livingston in Guatemala. Ein Grenzübertritt auf dem Boot ist mal was Neues. Wir kaufen die Fahrkarte vor dem „Fährterminal“ auf der Straße bei einem Händler, der uns zuruft „Guatemala?“. Er sitzt auf einer Mauer am Straßenrand mit einem Bündel Papier in der einen und einem Bündel Geldscheinen in der anderen Hand. Nach „Bestellung“ wird der „Fahrschein“ dann mit der Hand bekritzelt .. Wer, wann, wohin und der Preis. Alles ganz normal hier.

Mit unserem erstandenen Fahrschein bringen wir die Ausreiseformalitäten hinter uns. Das lästige Zahlen der Ausreisegebühr und der heiß ersehnte Stempel im Reisepass. Dann warten wir auf die „Fähre“. Ein Boot oder besser gesagt ein Bötchen kommt gefahren und Leute steigen aus. Verwundert und völlig sprachlos fragen wir einen Mitwartenden, ob DAS die Fähre ist?!? „JA!! Klar!!“ sagt dieser sichtlich verwundert über unsere Frage.

Ok. Fähre. Ok. Auf das Bötchen passen ca. 20 Menschen oder 15 Menschen und Gepäck. Eine Nussschale! Wäre auch alles halb so schlimm, wenn wir damit nicht das offene Meer in ein anderes Land überqueren wollten. Wie auch immer – keine Wahl. Die Leute steigen ein und das Bötchen legt ab. Glücklicherweise transportiert ein Belizer einen neuen Motor mit um sich in Guatemala ein Boot zu kaufen. Also hätten wir wenigstens einen Ersatzmotor auf hoher See.

Als kein Land mehr in Sicht ist, denke ich kurz darüber nach, was wäre wenn .. Ich verwerfe den Gedanken aber ganz schnell wieder. Es sind 30 Grad und ich habe eine Schwimmweste in der Hand. Was soll schon passieren?! Nach 2 Stunden ist das ganze vorbei und wir sind heil und trocken in Livingston. Puhh.

Als wir in Livingston die Nussschale verlassen, gabelt uns sofort ein Einheimischer auf. Wir sehen manchmal anscheinend ziemlich hilfesuchend aus .. Er ist um die 80, hat kaum noch Zähne und geht mit uns ein Stück. Er kennt jedes Hotel in der Stadt und zu jeder Zimmerkategorie den Preis. Manchmal weiß er sogar ob das Zimmer einen Fernseher hat oder nicht. Leider haben wir aber bereits ein Hotel ins Auge gefasst und nach einer netten Plauderei sucht der nette „Garifuna“ das Weite.

Unser Hotel ist ein Glücksgriff. Wir suchen uns das größte Zimmer mit einer Art Panoramafenster in Richtung eines grünen Gartens aus. Es ist Nebensaison und wir sind fast die einzigen Gäste. Auf Nachfrage gibt es noch einen riesigen Ventilator dazu. Vor dem Zimmer hängen ein paar bunte Hängematten. Da das Ganze im ersten Stock ist, kann man von hier aus wunderbar die guatemaltekischen Handwerker beobachten, die unten gerade einen Wäscheraum bauen. Ein Schauspiel wenn Langeweile aufkommt! Noch ein paar Stufen weiter oben und man steht auf einer großen Dachterrasse. Hier wird die Hotelwäsche getrocknet, es gibt selbstgebaute Liegestühle und einen schönen Ausblick auf die Dächer der kleinen Stadt. Perfekt und sich mit einem Buch und einem kalten Bier niederzulassen.

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Livingston ist klein. Es hat ca. 25.000 Einwohner. Nach 30 Minuten Rundgang hat man alles gesehen und kennt sich aus. Die Stadt erhält ihren ganz besonderen Charme durch die „Garifuna“. Die Garifuna sind eine Volksgruppe die mit ca. 100.000 Angehörigen in den USA und Zentralamerika vertreten ist. Es sind ehemalige afrikanische Sklaven vermischt mit einheimischen Kariben. Die Menschen erinnern uns sofort an die Karibik, an Jamaika. Sie sind tiefschwarz mit afrikanischem Einschlag, also krausem pechschwarzem Haar, Schmollmund und unerwartet blauen Augen. Die Frauen meist fülliger mit bunten langen Röcken und Schürzen und die Garifuna- Mamas sind wirklich süße karibische Mamas, die sicher 4-8 Kinder zu Hause sitzen haben. Ihre Art ist so erleichternd. Man ist sofort in einer chill- Laune aus der man nur schwer wieder herauskommt. Das passende zum Rauchen gibt es – bei Bedarf – an jeder Ecke. Erst werden Souvenirs angeboten und dann kommt die immer gleiche Frage „need a smoke?“ Im ganzen Ort, vor allem abends kann man den Klängen karibisch- afrikanischer Musik lauschen. Hier dreht sich die Welt nur halb so schnell. Dieses Lebensgefühl ist unbeschreiblich.

Was wollen wir mehr .. hier bleiben wir 3 Tage und genießen einfach die Atmosphäre, das gute Essen und lassen uns ein bisschen treiben. Sicher ein Ort von dem man so schnell nicht mehr wegkommt, wenn man nicht aufpasst.

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Am letzten Nachmittag (die vorherigen sind den Hängematten zum Opfer gefallen) fällt uns auf, dass Livingston ein kleines Stück Karibikstrand haben muss. Zumindest sagt das die Landkarte. Den suchen wir natürlich, das lohnt sich immer. Und tatsächlich, mit dem Taxi ein Stück aus der Stadt raus, über eine Hängebrücke und schon ist er da. Zwar kein Traumstrand aber für einen gechillten Nachmittag reicht es allemal. Das ganze wird mit einer Bar in der es kaltes Bier gibt perfekt. Wir lassen uns auf den Barliegen nieder und schauen den Wellen zu.

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Von Livingston aus geht es am dritten Tag mit dem Boot (wieder eine Nussschale) über den Rio Dulce nach Rio Dulce Town. Von und nach Livingston führt keine Straße, es gibt nur den Wasserweg über den Rio Dulce oder die Karibik. Praktisch daran ist, dass man den nötigen Transport gleich mit einem wunderschönen Ausflug kombinieren kann.

Der Rio Dulce (übersetzt: süßer Fluss) ist einer großer Fluss gesäumt von saftig grünem Dschungel. Die Felsen ragen links und rechts steil am Flussufer in Richtung Himmel und das saftige Grün der Bäume glänzt in der Sonne. Das Wasser ist dunkelblau und klar. Unweigerlich muss ich an den Amazonas Regenwald denken, den wir auf unserer Reise hoffentlich noch entdecken werden. Überall am Rand des Flusses strecken Mangroven ihre Wurzeln ins Wasser. Zwischendrin erkennt man riesige Palmen. Alles schimmert in so vielen verschiedenen Grüntönen, dass es kaum zu fassen ist.

Überall in den Bäumen sitzen große weiße Reiher- Vögel, die auf einen Fischfang warten. Und, wen treffen wir wieder?! Unsere Pelikaner, nein die dürfen auf keinen Fall fehlen 😀

Vorbei an eine Meer aus Seerosen, auf denen sogar die Vögel laufen können, bestaunen wir kleine Fischerhütten und das Leben der Menschen hier am Fluss. Hier hat selbst jedes Kind schon ein Boot. Man transportiert damit alles, was zum Leben notwendig ist. Die Menschen hier leben fast ausschließlich von Fisch und vom Fischen.

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Doch der Rio Dulce hat noch eine Überraschung. Eine heiße Quelle. Wir steigen aus der Nussschale aus und gehen einen kleinen Holzsteg entlang. Plötzlich liegt ein unverkennbarer Schwefelgeruch in der Luft. Vor uns: die heiße Quelle, die aus dem Berg direkt in den Fluss strömt. Und tatsächlich!! Man kann kaum die Hand ins Wasser halten. Das Wasser kommt ihr ca. 70 Grad heiß einfach aus dem Berg. 5 cm weiter unten hat es sich dann bereits mit dem Flusswasser vermischt und ist angenehm warm. Ein seltsames, kaum zu glaubendes Wunder.

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Nach ca. 2 Stunden Nussschalen- Fahrt mit traumhaftem Panorama erreichen wir den Lago (See) Izabal – den größten Süßwassersee Guatemalas. Sofort fällt uns die riesige Brücke auf, die über den Rio Dulce gespannt wurde, genau da wo er in den Lago Izabal mündet. Sie verbindet seit einigen Jahren den Süden Guatemalas mit den Norden, wo es sonst keine Verbindung gab und der Norden nahezu unerreichbar war. Gigantisch und stolz spannt sie sich wie ein dickes Drahtseil übers Wasser.

Wir besuchen das „El Castillo de San Felipe“ – eine Festung mit dem Aussehen eines Schlosses aus dem Jahre 1652. Der Zweck des Baus liegt nahe. Die Festung sollte die Piraten, die von der Karibik über den Rio Dulce zum Lago Izabal schifferten, fernhalten. In der Festung lässt sich einiges entdecken. Enge Holztreppen führen nach oben zu Schießscharten und alten Kanonen. Man kann überall ungestört herumschlendern. Von den Festungsmauern hat man einen wunderschönen Ausblick auf den Lago Izabal.

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Die Festung El Castillo steht inmitten eines Parks mit Palmen, Liegewiesen und Badestrand. Es ist Samstag und der Park ist bevölkert mit Einheimischen, die hier ihr Wochenende genießen. Wir mischen und unter die Einheimischen und gönnen uns ein einfaches Mittagessen von Frauen in bunten langen Röcken. Frittierter Fisch, Reis, Salat und .. natürlich .. Tacos! Wie jeden Tag und immer! Lecker!!

By Janine on Mai 10, 2013

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