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Cockscomb Basin Wildlife Sanctuary

Nachdem wir die Strände und Inseln von Belize und vor allem die Ruhe genossen haben, zieht es uns wieder hin zum nächsten Abenteuer. Wir blättern im Reiseführer hin und her .. irgendwas Aufregendes muss Belize doch zu bieten haben?!

Und tatsächlich! Ein Jaguar- Nationalpark. Da liest sich doch aufregend genug. Genauer gesagt das Cockscomb Basin Wildlife Sanctuary.

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Mit dem Boot geht es von Placencia zurück nach Independence. Dort warten laufen wir zur „Bushaltestelle“. Die Bushaltestelle in Independence ist genauer gesagt eine staubige Kreuzung, an der die Busse wenden und dann in die andere Richtung weiterfahren. Manchmal wenden sie jedoch auch einfach an einer anderen Kreuzung. Keiner weiß das so genau. Wir legen die Rucksäcke in den Staub und warten. Nach einer Weile kommt ein Pickup vorbei .. der Fahrer fragt, wo wir hinwollen. Nach Maya Centre! Das ist das nächstgelegene Dorf am Nationalpark. Der nächste Bus fährt um 12 Uhr .. es ist gegen 9.30 Uhr und es ist heiß! Er will uns mitnehmen für einen unverschämten Preis. Wir entscheiden uns fürs warten.

Der kleine Shop uns gegenüber versorgt uns mit kalten Getränken und Eis. Irgendwie gehen die fast 3 Stunden rum – der Chickenbus ist sogar halbwegs pünktlich.

In Maya Centre verstauen wir die großen Rucksäcke in einer Art Informationszentrum. Dieses ist nur dem Nationalpark allein geschuldet. Maya Centre selbst ist eher eine Häuseransammlung als ein Dorf. Dennoch versorgt uns ein kleiner Shop in einem Holzhäuschen mit Weißbrot, Tomaten, einer Gurke, Dosenwurst und Wasser für die nächsten zwei Tage. Dann geht es mit dem Taxi auf ins Abenteuer.

Das „Taxi“ fährt uns von Maya Centre bis zum Nationalparkeingang. Bei der Bezeichnung Taxi handelt es sich um einen Einheimischen, der grad sein Mittagessen am Steuer eines roten Pickups isst. Einen Beifahrer hat er auch gleich mitgebracht – man weiß ja nie. Schon nach den letzten Häusern des kleinen Örtchens geht der dichte Dschungel los. Die Straße wird immer schlechter – ohne Allrad garnicht befahrbar. Der Pickup stöhnt und gibt laute bedenkliche Geräusche von sich. Der Beifahrer steigt aus und begibt sich hinten auf die Ladefläche. Von dort oben weit über die Ladefläche gelehnt, beobachtet er das eine Hinterrad, das ächzt und stöhnt. Wir vermuten mal die Bremsscheiben .. zum Glück ist das Gelände relativ eben! Die Geräusche werden immer lauter und ich seh uns schon das letzte Stück laufen. Aber tatsächlich kommen wir nach 35 Minuten Dschungelfahrt im Nationalpark an. Sicherheitshalber vereinbaren wir gleich die Rückfahrt an nächsten Tag. Hier gibt es sicher kein Telefon.

Im Besucherzentrum des Nationalparks erklärt uns ein netter junger Mann alles, was man so wissen sollte. Hier gibt es ein paar einfache Unterkünfte, eine Küche und sogar kalte Duschen und Toiletten. Wir bleiben eine Nacht.

Der Nationalpark ist 200 Quadratkilometer groß. Einen kleinen Teil davon kann man über einige Naturpfade bewandern. Der Rest bleibt den Jaguaren allein vorbehalten. Natürlich gibt es keine Absperrung und natürlich ist es möglich hier Jaguare zu sehen. Es gibt 60 – 80 Jaguare in diesem Gebiet. Aber nicht nur das. Darüber hinaus gibt es auch Pumas, Ozelots, Jaguarundis, Brüllaffen .. Schlangen aller Art, ca. 300 Vogelarten und allerlei anderes Getier. Wer den wirklichen Dschungel kennenlernen will ist hier genau richtig. Im Regenwald gibt es bis zu 40 Meter hohe Bäume und viele, viele andere Pflanzenarten.

Den ersten Nachmittag verbringen wir mit Rivertubing. Man nehme einen aufgeblasenen Gummireifen, setze sich rein, lasse sich in den Fluss fallen und los geht’s 😀

Tatsächlich ist aber Trockenzeit. Das heißt der Fluss hat ziemlich weniger Wasser. Man muss seinen Hinter oft ganz schön in die Höhe heben um nicht auf dem Flussgrund festzusitzen. Aber es funktioniert! Die Fahrt dauert fast 2 Stunden. Der Fluss plätschert gemächlich dahin. Es ist still. Wir genießen die Natur mal wieder sehr. In der Form hatten wir das zuletzt in Patagonien. Um uns herum dichter grüner Dschungel, unter uns kleine Fische, über uns strahlend blauer Himmel.

Nicht selten wird jedoch die Stille durch einen Lachanfall unterbrochen. Klar macht Rivertubin Spaß! Wenn zum Beispiel einer von uns beiden mal wieder auf einen Stein mitten im Fluss oder auf das Dickicht am Ufer zusteuert und verzweifelt versucht den eigenwilligen Reifen in eine andere Bahn zu lenken und dabei die Trekkingschuhe, die mit im Reifen liegen festumklammert hält. Man weißt ja schließlich nie ob an Rand nicht grad ein Krokodil Mittagsschlaf hält!

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Zurück in der Unterkunft angekommen, will ich kurz das Flusswasser abduschen. Es dämmert schon. Ich öffne die Tür zur Dusche – ein Holzverschlag. Vor mir sitzen zwei riesige Frösche. Vom Schreck erholt, versuche ich die Quaker nach draußen zu bewegen. Hmm so wirklich Bock zum hüpfen haben die nicht .. Aber groß sind die .. wahnsinn! Wenn das Quakding mich anfällt .. aber, nein, eher nicht! Endlich vom Trekkingschuh Hüpf für Hüpf rausgeschubst, schlägt sich der eine erstmal den Kopf am Mülleimer ein! HALLO?!? Aufwachen!!

Die Dusche besteht aus einem Rohr von oben und einem Loch im Boden von unten. Aber es ist eine Dusche. Manche Hostelduschen sind schlimmer .. Fertig mit Duschen öffne ich die Tür und? Klar der Quaker sitzt noch immer davor und lässt sich erneut von der Tür in Richtung Wiese bewegen. Kann es sein, dass der LSD oder sowas genommen hat?! Ich bin mir nicht sicher, lasse aber den LSD- Frosch in der Wiese zurück.

Am Abend treffen wir in der Gemeinschaftsküche zwei Geologen. Die leben zurzeit hier und untersuchen das Gelände im Auftrag Belizes. Die beiden wandern jeden Tag in den Dschungel rein – dabei schlagen sie sich den Weg mit Macheten frei – und untersuchen dort das Erdreich. Sie haben uns erklärt, sie nehmen Proben bis einen Meter in die Erde rein und untersuchen diese. Dabei haben sie schon eine neue Mayaruine entdeckte – die Mayas besiedelten neben Mexiko auch Belize und Guatemala. Ziemlich interessantes Gespräch und für uns eine unvorstellbare Arbeit. Der jüngere von beiden hat auch schon Jaguare, Pumas und andere große Tiere „getroffen“. Der ältere hat anscheinend eher mit den kleinen Tieren zutun. Er zeigt uns eine Narbe auf seinem Bauch. Nach mehrmaligem Nachfragen zeigt er uns ein Handyfoto von einer Art Ei. Da hat eine Fliege Eier auf die Haut gelegt, die sich unter die Haut schieben um dort zu wachsen. Das ganze platzt dann nach einiger Zeit auf oder man entfernt es – wie er – selbst durch abkleben und ausquetschen! Igitt und schüttel!

Er fragt uns noch, ob wir eine Nachtwanderung unternehmen. Da wir keine Taschenlampen dabei haben, leiht er uns welche und gleich noch Notfallersatzbatterien dazu. Er meint noch „Achtet auf die Schlangen! Es gibt hier eine Viper!“ Ich bin total schockiert und frage völlig neben mir „EINE?!?“ Er lacht und meint zwinkernd „Nein, zwei“!

Also gut Vipern. Hmm .. die sind vermutlich giftig, so wie er es gesagt hat. Wir machen uns trotzdem auf den Weg. Es ist stockdunkel. Wir gehen ein Stück den Wanderweg entlang. Hecktisch leuchten wir beide immerwieder in alle Richtungen in das Dschungeldickicht hinein und bei jedem Schritt auf den Boden wegen den Vipern. Um uns herum nur noch Dschungel. Es ist wirklich stockfinster. Ich weiß nicht, ob ich schonmal so eine Dunkelheit erlebt habe! Die Sterne über uns leuchten als würde die Sonne nie wieder aufgehen.

Wir laufen langsam Schritt für Schritt, schauen mit weit aufgerissenen Augen um das wenige Licht der Sterne aufzufangen. Man sieht absolut nichts. Hier haben die Tiere Heimvorteil. Es ist uns beiden nicht wirklich geheuer. Einerseits will man einen Jaguar sehen – die sind ja nachtaktiv – andererseits eher nicht. Wer spaziert schon im Zoo einfach in einen Jaguar- oder Tigerkäfig?!

Plötzlich schreit Daniel laut, springt zurück und wedelt mit den Armen .. Was ist passiert??? Eine Spinne, eine Fledermaus, eine VIPER?!?

Oh mein Gott jetzt ist es neben meinem Kopf. Auch ich schreie, bin zu Tode erschreckt. Was ist das?!? Es summt, flattert, aaah .. Ein Glühwürmchen!!! Aber es ist kein gewöhnliches Glühwürmchen. Es ist eher ein Käfer – so groß wie ein Maikäfer ungefähr – mit einer LED Birne am Hintern. Die Dinger sind so grell – hell. Krass. Das ist wie wenn im Stockfinstern eine Taschenlampe geflogen kommt!!

Ok, atmen, atmen, ich lasse langsam von Daniels Arm ab. Keine Viper, kein Jaguar .. nur ein Glühwürmchen! Atmen!

Es ist immernoch dunkel. Die fliegende Taschenlampe ist im Dschungel verschwunden. Wir laufen weiter. Schritt für Schritt. Jetzt haben wir sowieso alle Tiere verscheucht oder eher angelockt?! Egal, weiter geht’s!

Nach ein paar Minuten bleiben wir beide abrupt stehen. Keiner sagt etwas. Absolute Stille. Ich habe etwas atmen gehört. Etwas großes! Oh mein Gott .. was war das?? Ich bin mir nicht sicher. Hab ich es gehört oder nicht. War es da oder nicht. Spinne ich jetzt schon?! Wir gehen weiter .. zurück .. haben vorerst genug Natur erlebt. In der Unterkunft angekommen, frage ich Daniel warum er vorhin stehen geblieben ist. Er meint, er hat etwas atmen gehört. Etwas großes!

Also doch! Wir haben aber nichts gesehen. Aber gut, man kann keine 3 Meter in den Dschungel hineinschauen, bei Nacht wahrscheinlich nicht mal einen Meter. Als wir die Taschenlampen zurück zu den Geologen bringen, werden wir nach dem Erlebnissen gefragt. Wir erzählen .. der Geologe meint nur „War es was großes?“ Wir nicken. Hmm .. gut möglich, dass es ein Jaguar oder Puma war! Wahnsinn.

Die Nacht ist ziemlich ruhig und stockfinster. Je dunkler die Nacht, desto weiter weg ist man von jeder Zivilisation – desto näher ist man bei sich selbst und bei seinem Ursprung. Ich liege noch lange wach und genieße die Geräusche des Dschungels, die leicht in unsere nur behelfsmäßige Unterkunft dringen.

Ganz früh am Morgen geht es weiter. Ganz früh sind die meisten Tiere noch aktiv, die Luft ist frisch. Wir wandern den „Wari Loop“ – ca. 4 Kilometer grüner, frisch duftender Dschungel. Bäume mit riesigen Wurzeln, wie man sie aus den Regenwald- Dokumentationen im Fernsehen kennt. Riesige Farne, die höher sind als manche Häuserwand zu Hause. An allen Bäumen Kletterpflanzen und Lianen. Auf dem Boden alle paar Meter eine Ameisen oder Termitenstraße. Alles ist bedeckt mit altem Laub. Herrliche Ruhe.

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Am Nachmittag wandern wir nochmal 4 Kilometer zu einem Wasserfall und einem Aussichtspunkt. Nach dem wirklich anstrengenden Aufstieg hat man einen Wahnsinns Ausblick über ein grünes Meer von Baumkronen. Bis hin zum Horizont – Dschungel! Am Horizont streckt sich der höchste Berg Belizes, der Victoria Peak mit seinen 1.120 Höhenmetern gen Himmel.

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Auf dem Rückweg springen wir zur Abkühlung in das Becken eines kleinen Wasserfalls. Es ist wirklich eine Abkühlung – das Wasser ist echt kalt! Etwas pickt ständig an meine Füssen, Beinen herum .. ahh Pickfische 😀 Manche zahlen dafür Geld .. hier im Dschungel gibt es das gratis zum Abenteuer dazu.

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Der Taxifahrer ist pünktlich mit dem gleichen roten Pickup zur Stelle. Na dann auf zur abenteuerlichen Rückfahrt ..

 

Belize: Stempel im Reisepass 02.05.-09.05.2013

By Janine on Mai 7, 2013

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