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Granada – hangover

„hangover“ heißt wörtlich übersetzt Kater oder Überbleibsel .. sehr treffend ..

Über Granada könnte ich Seitenweise schreiben – oder auch nichts. Wir verbringen hier  5 Tage – 3 davon mit nichts tun. Wir fallen in ein tiefes Reiseloch. Hinzu kommt, dass nichts tun in Granada so wunderbar einfach und noch dazu wunderbar ist. Wir lassen uns treiben. Mittlerweile haben wir gelernt wie das geht. Morgens oder besser gesagt mittags aufstehen, uns gegenseitig fragen wozu wir Lust haben und dann bis abends auf den Schaukelstühlen vor unserem Zimmer chillen, Chillpausen zum Essen einlegen. Treiben lassen. Nichts tun.

Dazu kommt, dass wir in einem ganz kleinen Hostel gelandet sind. Die Besitzerin ist eine junge Spanierin mit einem spanisch-mexikanischen Sohn. Die offene Frischluft- Wohnküche nutzen alle zusammen, also auch die beiden kleinen Hasen, die hier den ganzen Tag herumhoppeln. Unsere Zimmernachbarn sind zwei Schweizer – ein Pärchen etwa in unserem Alter mit denen wir die Nacht zum Tag machen. Auch sie sind hoffnungslos hier gestrandet. 3 Nächte sitzen wir zusammen bis zum Sonnenaufgang danach wird bis zum Mittag gemeinsam Katerbekämpfung betrieben. Wenig Zeit also für Sightseeing 😉

Wir genießen es!

Doch ab und an – vor allem am letzten Tag packt uns die Neugier und wir wagen uns raus ins wilde Nicaragua.

Der beste Beweis für „wild“ ist ein Loch. Es befindet sich direkt vor unserem Hostel, ist eigentlich ein Gulli – ohne Deckel und ca. 4-5 Meter tief. Jetzt denken bestimmt alle .. HÄ??? Tja in Deutschland mag es dafür Deckel geben – hier nicht! Jedes Mal wenn ich an diesem Loch vorbeilaufe, bekomme ich Schweißperlen auf der Stirn weil ich Angst habe hineinzufallen. Mich würde dort sicher keiner finden! Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass mal die Lebewesen von unten nicht rufen hört .. viel zu tief ist dieses Loch mitten auf der Kreuzung. Ich will gar nicht wissen was alles schon da drin liegt. Autos und Pferdekutschen schlängeln sich den ganzen Tag erfolgreich drum herum. Hineinfahren würde definitiv Achsenbruch bedeuten! Typisch Mittelamerika!

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Abgesehen von dem Loch ist Granada eine wunderschöne Kolonialstadt. Die schönste Stadt Nicaraguas! Gepflegte Häuser in Pastellfarben mit Balkonen und dicken Holztüren. Hier reiht sich Kirche an Kolonialbau – auf schattigen Plätzen lässt es sich wunderbar aushalten. Hier kann man getrost das Sightseeing- Programm über Bord werfen und einfach nur durch die Straßen schlendern.

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Eine Fußgängerzone erstreckt sich durch die halbe Stadt hin zum Ufer des Nicaraguasees. Wir verbringen die Abende in den unzähligen Restaurants und Kneipen. Bis spät in die Nacht hinein kann man hier im T-Shirt bei endlich frischer Nachtluft sitzen und die Sterne beobachten. Noch besser gelingt das mit Freunden, guten Gesprächen und kühlen Drinks.

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Noch ein bisschen schöner sieht Granada von oben aus. Vom Glockenturm der gelb- weißen Kathedrale .. ein endloses Meer roter Ziegeldächer .. am Horizont der Nicaraguasee, der schier endlos scheint.

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Granada bringt uns jedoch auch zum Nachdenken. Vor allem in den Nächten die hier ungefährlich sind, sieht man so einiges dass neben dem Touristenalltag abzulaufen scheint. Hier kommen wieder die seltsamen Plastikflaschen (im Managua Bericht bereits erwähnt) ins Spiel. Nahezu jeder Penner oder auch nur heimatlos aussehende Mann hat eine leere Plastikflasche am Mund. Die Lösung des Rätsels: Klebstoff! Die schnüffeln hier alle Klebstoff. Und wenn ich sage alle, meine ich sicher nicht alle, aber es dauert keine 5 Minuten bis man einen Schnüffler entdeckt! Wir sind geschockt! Klar, billige Drogen.

Noch geschockter sind wir jedoch als uns 2 Jungs mit eben diesen Flaschen über den Weg laufen. Wie alt sind die? 5 oder 6?!? Ich traue meinen Augen kaum aber es ist leider wahr ..

Später erfahren wir, dass es in Granada sie sogenannte Kindermafia gibt. Hier werden Kinder aus armen Familien – meist von fern abgelegenen ländlichen Teilen Nicaraguas – hergebracht um Geld von den Touristen zu erbetteln. Und hier gibt es durchaus viele Touristen. Dieses müssen sie dann abgeben – eine Mafia! Die Kinder haben kein Dach über dem Kopf, kein Essen, keine Familie vor Ort. Manche sind vielleicht 5! Zunächst glaubt man das alles nicht. Aber wenn man genauer hinschaut und die rosarote Sightseeingbrille abnimmt, dann sieht man diese Kinder – verwahrlost überall in den Straßen. Und es sind immer die gleichen Kinder, die sich morgens bis abends „herumdrücken“ und versuchen den Tag zu überstehen. Unterstützen kann man das Ganze nur mit Essen – auf keinen Fall mit Geld – denn natürlich haben die Kinder Hunger und Durst. Trauriges Nicaragua hinter der herausgeputzten kolonialen Fassade. Die Leute hier scheinen selber genügend Probleme zu haben, sodass eigentlich gar kein Platz für Touristen wäre.

Unsere Entdeckungen führen uns auch auf den Nicaraguasee. Mit einem einheimischen Fischer unternehmen wir eine Bootstour. Der Nicaraguasee hat eine wirklich beachtliche Größe – der zweitgrößte See Lateinamerikas und liegt am Vulkan Mombacho. Dieser hat durch einen mächtigen Ausbruch für 400 Inseln und Inselchen im See gesorgt. Alle aus Vulkanschwarzem Gestein. Hier haben sich die Schönen und Reichen aus Nicaragua und aus den USA niedergelassen. Sofern die Insel groß genug ist wurde eine Villa mit Sichtschutz darauf errichtet. Manche Inseln stehen noch zum Verkauf – ca. 350.000 Euro. Wir sind spontan nicht interessiert da uns ebenso viele Moskitos belagern. Aber für einen Nachmittagsausflug ist der See allemal geeignet.

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Schließlich schaffen wir es doch uns loszureißen nachdem wir schon kurz davor waren und einen Kleiderschrank und einen Briefkasten zu kaufen. Diese Reise darf also weitergehen – hält noch so viele zauberhafte Orte für uns bereit. Alles, was wir tun müssen, ist unser weniges – aber immer zu schweres – Hab und Gut in den Rucksack zu werfen und uns in den Bus zu setzen!

P.S. Einen lieben Gruß an Tanja und Attila wo auch immer ihr gerade seid 😀

By Janine on Juni 19, 2013

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