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Gedanken übers Leben – worum geht es eigentlich?!

In den letzten 30 Jahren habe ich viel gelernt ..

Ich habe gelernt zu laufen, zu lachen, zu weinen, Schleifen zu binden, Rollschuh zu fahren, den Kühlschrank zu füllen, den Müll runterzubringen, pünktlich zu sein, bitte und danke zu sagen .. ich habe gelernt, dass Freunde verdammt wichtig sind, rauchen nichts für mich ist, ich mit kalten Füssen nicht einschlafen kann.

Ich habe mich in den letzten 30 Jahren dabei ertappt, dass mir Abende auf dem Sofa auch gefallen, ich wert auf gute Gespräche lege, Unterhemden durchaus angenehm sind .. ich bin sesshaft geworden, habe die erste Einbauküche gekauft, eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, das erste Mal Tapete an die eigenen Wände geklebt, mir Gedanken über meine Altersvorsorge gemacht.

Ich habe gelernt, dass die eigene Familie erst Vorbild, dann peinlich und schlussendlich doch unersetzbar ist.

Ich habe gelernt zu lernen – in den verschiedensten Städten die Schulbank zu drücken, zu Hause über Steuerklausuren zu verzweifeln, in der Kanzlei voller Lampenfieber vor dem Mandanten zu stehen. Gelernt Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen. Gelernt auf mich selbst zu hören und mich immer wieder zu fragen – was will ich – was macht mich glücklich?

Ich habe gelernt hinzufallen und wieder aufzustehen.

Doch was bin ich jetzt?

Mit 30 ist man ein geformter Tonklumpen, der noch nicht gebrannt wurde, wie ein Gesicht ohne Lachfalten, wie eine Baumrinde ohne eingeritzte Namen.

Nach unzähligen Stunden hinter Büchern, Ordnern, dem PC und einer mehr oder weniger geregelten 40-Stunden-Woche mit mehr oder weniger viel Freizeit, nach einer Zeit im Schoße der Familie, heimatlos in Wohngemeinschaften und nun gestrandet im Alltag bin ich vor allem hungrig auf Neues.

Was will ich?

Ich will den Perfektionismus hinter mir lassen, loslassen, verloren gehen. Ich will mir selbst und anderen vertrauen lernen.

Ich will den Wind auf der Haut spüren, in Feuerland über den Tellerrand schauen, die gebratenen Meerschweinchen in Chile bedauern, auf den Spuren der Majas in Guatemala wandeln, froh über meine Flipflops in den Hostelduschen sein, den Lavaechsen auf Galapagos beim Sonne tanken zusehen, die endlose Weite der Salzwüste in Bolivien bestaunen, feststellen dass meine Spanischkenntnisse für eine Diskussion über die Wirtschaftskrise nicht ausreichen, in einem Überland- Nachtbus halb erfrieren, nach einem Tagestrek mit Blasen an den Füssen die Eiseskälte des Geltschers im Gesicht spüren, die Seele an Belizes Karibikstränden baumeln lassen, auf der Osterinsel vor Heimweh zerfließen, im Amazonasgebiet in Venezuela über meine feuchten Klamotten fluchen, beim Anblick eines Wals sprachlos werden, in den Straßen von Mexico City die Orientierung verlieren, die Gelassenheit der Südamerikaner tanken.

Ich will lernen was Reichtum wirklich ist und mit diesem in die Heimat zurückkehren – Ich will mir den Sand aus den Augen wischen und daraus Burgen bauen.

Janine

By Janine on Januar 27, 2013

Comments:4

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  1. Antworten Schwesterchen 27.01.13

    Sprachlos … erst dachte ich „kopiert und eingefügt“. Nein Spaß beiseite, das bist wirklich DU, voll zutreffend ALLES und ich werde fast ein wenig sentimental. Diese Zeilen sind so wertvoll! Es ist sicher schon eine Erfahrung für sich, sich so intensiv mit diesem Thema zu befassen. Und man kann förmlich den Lebenshunger rauslesen. Deshalb wird die Reise für Dich / euch beide genau das Richtige sein mit allen Höhen und Tiefen. Eine Erfahrung, die euch keiner nehmen kann und die für euch etwas ganz Besonderes Einmaliges sein wird. Liebe Grüße Dein Schwesterchen

  2. Antworten mummel 03.02.13

    ja das hab ich auch gedacht. Hab es mir eben in Ruhe nochmal durch gelesen und da hab ich gemerkt, dass da nur meine Janine gesprochen hat.
    Danke es klingt toll und ich bin ganz stolz auf dich!!!!
    Vor allem was du für eine schöne Einstellung vom Leben hast und dass dir die Familie ganz wichtig ist. Wenn sie auch manchmal nervt.
    Aber nun verstehe ich erst richtig, warum du das alles so machst.
    Liebe Grüße deine Mama

  3. Antworten Steffi 06.02.13

    Hallo Gustel.Hatte gerade 2-4 oder mehr Tränen in den Augen.An dir ist ein kleiner Philosoph verlorengegangen. Ihr habt Euch wirklich intensiv mit Euren Vorbereitungen u. den Gedanken dazu befasst. Und das alles in solche Worte zu fassen… toll! Ich bin baff…! Werde alles hier verfolgen u.in Gedanken immer bei Euch sein. Verwirklicht Euren Traum! Ihr habt Euch die Möglichkeit geschaffen u. es ist die Zeit dazu. Man weiß nie, was im Leben noch alles auf einen zu kommt u. ob man sowas dann noch kann, aus welchen Gründen auch immer. Grüße Steffi

  4. Antworten Globetrotter 23.02.13

    Ohne Mist…die Dusch-FlipFlops sind überlebenswichtig 😉

    Und immer dran denken: „Erinnere dich daran, dass das Leben eine Folge von Momenten ist und es an dir liegt, wie du sie lebst!“

    In diesem Sinne, habt ne geile Zeit! Ich denk an euch 🙂

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